Amanda

Die Informationsrevolution hat die altbekannte Musikindustrie in weiten Teilen überflüssig gemacht. So weit der Konsens. Aber wie Geld verdienen? Die Frage wurde von mir schon gestellt in diesem Blog und an vielen anderen Stellen auch schon. Vorzeige Social Media 2.0-Frau Amanda Palmer hat eine Antwort, sie nennt es „the art of asking“. In ihrem Vortrag geht es darum Vernetzung voran zu treiben. Ein Künstler braucht ein großes Netz, das sie/ihn auffangen kann, so ihr Punkt. Um Geld bitten, als Gegenwert gibt es die Kunst. Wenn dem Fan die Kunst ans Herz gewachsen ist, dann wird er geben, und zwar genug. Dafür tritt sie auch gleich den Beweis an. Ihre Crowdfunding-Initiative für ihr letztes Album hat unglaubliche 1,2 Millionen Dollar von 25000 Teilnehmern eingenommen. Davon konnten alle Studios, Musiker, Vertriebswege und Touren bezahlt werden. Ihre Leistung besteht allerdings darin, dieses unglaubliche Netz geschaffen zu haben, ein Netz von Menschen, daß jeden Schritt mitgeht und mitträgt.
Nicht alle Künstler schaffen das. Die von mir hoch verehrte Björk ist mit einem ähnlichen Projekt nicht erfolgreich gewesen. Ihr letztes Album ist als App für iTunes erschienen. Die nicht gerade billige Portierung auf Android und Windows 8 sollte nun durch Crowdfunding erwirtschaftet werden. Schon 2 Wochen nach Start der Initiative war klar, daß die 125000 Euro nicht zusammenkommen würden. Woran lag es nun? Die Fanbase sollte doch eher größer sein als bei Amanda Palmer, dafür sprechen jedenfalls die verkauften Einheiten von Tonträgern in ihrer Karriere. Das eine scheint also mit dem anderen nichts zu tun zu haben. Palmer hat über Jahre alles auf eine Karte gesetzt und über alle 2.0-Kanäle ihr Werk und ihre Persönlichkeit promotet und mit der Gemeinde „connected“. Dies zahlt sich nun aus.
Amanda stellt auf ihrem Blog eine weitere Frage und bezieht Stellung. Wer sollte Zugang zu Crowdfunding haben? Viele haben Bjork dafür kritisiert. Hat sie das nötig, kann sie das denn nicht einfach selbst bezahlen? Sie sollte doch genug Geld haben! Aber niemand hätte schöner formulieren können:
„if lady gaga wants to turn to crowdfunding to get $100,000,000 of development cash to build the world’s first pair of musical six-mile-high electromagnetic-bedazzled stiletto heels – let her. if her fans back her, LET THEM. why the fuck not? because SHE should pay for if SHE wants it because SHE’S RICH?? because it’s a stupid idea? a waste of everybody’s time and money?“ (www.amandapalmer.net)

Die Frage, die ich mir gestellt habe, braucht man für diese Art Promotion nicht eine ganz bestimmte Veranlagung? Was ist mit den Künstlern, die nicht derart frei und offen sind? Haben die die gleichen Chancen eine solche Community aufzubauen? Was ist mit denen, die sich nicht trauen zu fragen?
Am Ende bleibt Bewunderung für Palmer und die Erkenntnis, daß Leidenschaft sie zum Ziel gebracht hat, aber auch, daß dies nicht der Weg für alle sein kann.
Trotzdem, leben wir die neuen Möglichkeiten, und geben denen, die fragen. Es sollte es uns wert sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s