auf Sicht fahren

Ein Teil von mir ist gegangen. Es sind diese Momente, die dich zurückschauen lassen. Die dir mehr als deutlich zeigen, daß du hier nur für eine Weile bist. Menschen haben Religionen erfunden um damit fertig zu werden. Um zu verstehen, daß all das hier ein Anfang und ein Ende hat.
Als Kind nimmt man die Dinge wie sie sind. Man fragt sich nicht, warum jemand so ist wie er eben ist. Das macht es einfach, eindimensional aber leicht verständlich. Heute möchte ich verstehen. Warum hast du dich in dieser Situation damals so entschieden? Warum hast du dich nicht durchsetzen können? Wo du doch so lebenstüchtig warst. Wo du doch in einer Zeit geboren wurdest, die Entbehrungen versprachen wie kaum andere Zeiten und Orte. Du hast einen Weltkrieg mitgemacht, Brüder dadurch verloren und bist geflüchtet, alles für ein besseres Leben. Das alles hat dich Pragmatismus gelehrt, den Mann gewählt, der eine gute Rente versprach.
Und dann waren wir da noch. Die Gnade der späten Geburt verlieh uns Augen durch die wir nicht alles sehen konnten. Die kein Leben wie deines gesehen haben, nur durch Geschichten erahnen konnten. Du hast wenig erzählt von dem was damals war. Ich hätte es gerne besser verstanden. Am Abend bevor du gegangen bist, konnte ich nur noch deine Hand halten. Die Tage davor habe ich von früher erzählt. Von den guten Geschichten und wenn wir dich geärgert haben. Da hast du nur noch milde gelächelt. War wohl doch nicht so schlimm. Schockiert habe ich dich nur einmal, da habe ich mir die Haare blondiert.
Jetzt fühlt es sich ok an. Du bist nicht zu früh gegangen. Zum Schluß wolltest du gehen. Das hast du mehrmals gesagt.
Meine Kindheit war unbeschwert, da trägst du einen großen Anteil dran. Dafür möchte ich mich bedanken. Ich weiß wo du bist und plane nicht so viel. Ich fahre ab hier auf Sicht.

auf Sicht fahren

Ich schweige nicht.
Doch nichts was ich sage, erklärt den Moment für mich.
Die Erinnerungen zeigen lediglich, daß von all dem nichts bleibt, wir agieren versehentlich.
Gelegenlich – maßgeblich – nachdrücklich.
Hab deine Hand gehalten und treibe innerlich.

und ich fahre auf Sicht, ich fahre auf Sicht, ich fahre…
und ich fahre auf Sicht, ich fahre auf Sicht, ich fahre…
und ich fahre auf Sicht, ich fahre auf Sicht, ich fahre…

Wir bleiben nicht.
Und nichts was wir tun, verändert dich hier willendlich.
Halt die Dinge fest, doch ich verliere sie unweigerlich.
Wenn ich einen Wunsch hätte behielt ich dich ewiglich.
Unabänderlich – sicherlich – zugänglich.
Hab deine Hand gelassen, ich denke an dich.

und ich fahre auf Sicht, ich fahre auf Sicht, ich fahre…
und ich fahre auf Sicht, ich fahre auf Sicht, ich fahre…
und ich fahre auf Sicht, ich fahre auf Sicht, ich fahre…
hier ist nichts, ich fahre…

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