Netzwerkgesellschaft

Der Bundestrojaner wird immer häufiger eingesetzt. Occupy Wall Street nutzt Messenger zum organisieren von Widerstand. Soziale Netzwerke, Micro-Blogging, Display Advertising, Microsites, Mobiles Marketing, Virals & Seeding. Fragmente sich in die Gesellschaft einschleichender Netzwerke. Verhalten und Erwartungen der Nutzer ändern sich seit Jahren stetig. Das Netz war Medium für Transaktionen, ein Einkauf. Jetzt ist es zum Teil der eigenen Persönlichkeit geworden. Digitale Netzwerke bilden reale Netzwerke ab. Sender und Empfänger sind nicht mehr auseinander zu halten. Und das ist die eigentlich Sensation. Wir können die Quelle sein, nicht mehr nur eine übergeordnete Stelle.
Halten wir fest, die Netzwerke sind tief in unsere Gesellschaft eingedrungen, wir wissen nur noch nicht, was es bedeutet. Wir müssen eine neue Gesellschaft definieren. Und keiner weiß wie. Die Verunsicherung ist überall zu spüren. Ein Teil der Menschen flüchtet in einfache Antworten, die AfD liegt im Moment bei 20% in den Umfragen, das auch noch bundesweit. Der andere Teil stellt Fragen und weiß nicht so richtig.
Diese Unsicherheit zieht sich durch fast alle Bereiche des Lebens. Da ich eine 10-jährige Tochter und einen 12-jährigen Sohn habe, interessiere ich mich für das Thema Schule. Denn Schule ist Gesellschaft. Alle Grundlagen werden hier gelegt, alle Bewegungen werden hier abgebildet. Schule muß Antworten haben auf alle Entwicklungen in der Gesellschaft, denn sie kann nicht ausweichen. Schule muß auch eine Antwort auf die Netzwerkgesellschaft finden. Als Schulelternbeirat und IT’ler merke ich immer wieder, der Weg ist noch lang und noch haben die „Erhalter“ die Überhand. An der Gemeinschaftsschule meines Sohnes besagt die Handyregelung, daß keine Handys benutzt werden dürfen. Es sollen keine Smombies in der Schule rumlaufen. Was auf den ersten Blick Sinn macht, ist aus Soziologischer Sicht ein Versuch der Verdrängung der Netzwerkgesellschaft aus der Schulrealität. Wir haben keine Antwort, also ignorieren wir das Netz und tuhen so, als ob es die neue Gesellschaftsform nicht gibt. Die Angst vor dem Unbekannten übernimmt die Führung.
Eines muß jedoch klar sein, neue Medien sind in der Soziologie zur vierten Sozialisationsform aufgestiegen. Neben der Familie, der Schule und den Peers übernimmt das Netzwerk einen wichtigen Teil des Erwachsenwerdens. Von unserem Schulsystem wird dieser Fakt völlig außen vor gelassen. Es gibt keine Konzepte dafür. Digital vernetzte Medien sind längst zur Kulturtechnik geworden, in einer Reihe mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Weite Teile der Schullandschaft ignorieren auch diese Entwicklung. Was also tun?
Ein einbeziehen der neuen Medien als Kulturtechnik, als Sozialisierungsinstanz, als Gesellschaftsform hieße dementsprechend: Schulentwicklung! Medienbildung ist Schulentwicklungsprozess. Jede Schule muß sich auf den Weg machen. Vorschläge gefällig?

– Auswählen und Nutzen von Medienangeboten
– Eigenes Gestalten und Verbreiten von Medienprodukten
– Verstehen und Bewerten von Medienprodukten und ­‐angeboten
– Erkennen und Aufarbeiten der Wirkungen von Medien auf alle Lebensbereiche und den Menschen
– Es bedarf eines Schulfaches »Medienbildung«
– Es bedarf neuartiger (verbindlicher) Fortbildungskonzepte und ­‐formate für Lehrerinnen und Lehrer
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Ich wäre dann soweit anzufangen. Wer kommt mit?

Gerald Hüther: Schule und Gesellschaft

Gerald Hüther: Wieso die Schulen versagen

Quelle: u.a. MediaMatters! Christian Filk, Europa Universität Flensburg

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2 Gedanken zu “Netzwerkgesellschaft

  1. Pingback: Wohin? | Flow im Ohr

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