objektive Subjekte

Descartes hat die Dinge in Subjekte und Objekte unterschieden. Ein Subjekt denkt und handelt, ein Objekt existiert und es wird be-handelt. Simone de Beauvoir hat beschrieben, wie Frauen durch Männer zum Objekt gemacht wurden, zum Gegenstand über den man bestimmen kann. Die vierte Welle des Feminismus versucht immer noch die Welt davon zu befreien. Ich habe mich immer gefragt, ob wir die Wahl haben uns von dem Wechselspiel zwischen Subjekt und Objekt nachhaltig zu befreien. Denn wir wechseln alle zwischen diesen beiden Zuständen. Auf der Arbeit, zum Beispiel in einem großen Unternehmen, sind wir Humankapital. Auf diesem Blog, in diesem Beitrag könnte ich gestalten, Ideen verbreiten, aktiv sein.
In unserer Gesellschaft wird dies zusehends ein Problem. Die Bevölkerung wird immer weiter gespalten, in die, die teilhaben können an dem wirtschaftlichen Erfolg, handeln können, und die, die zurückgelassen werden, also bei Mindestlohn zum Objekt gemacht werden. Da werden Eigenschaften von Systemen sichtbar, die Gruppen von Menschen versklavt oder ausgebeutet haben. Diese Systeme haben den Gruppen systematisch die Eigenschaften des Subjektes abgesprochen, ihnen verwehrt. Wirtschaftsunternehmen, die Angestellte als operative Faktoren einsetzen, objektivieren diese, pressen das Maximum an Output aus ihnen raus.
In der „Stanford Encyclopedia of Philosophy“ findet man eine Liste von 7 Möglichkeiten Menschen zu objektivieren. Auf der Seite geht es um weibliche Objektivierung, die Kriterien gelten aber meiner Meinung nach für alle Versuche Menschen zu unterdrücken. Die Liste bildet also eine Blaupause für die Ziele angehender Diktatoren und Systemgestalter.

„1. instrumentality: the treatment of a person as a tool for the objectifier’s purposes;
2. denial of autonomy: the treatment of a person as lacking in autonomy and self-determination;
3. inertness: the treatment of a person as lacking in agency, and perhaps also in activity;
4. fungibility: the treatment of a person as interchangeable with other objects;
5. violability: the treatment of a person as lacking in boundary-integrity;
6. ownership: the treatment of a person as something that is owned by another (can be bought or sold);
7. denial of subjectivity: the treatment of a person as something whose experiences and feelings (if any) need not be taken into account.“

Diese Regeln findet man tagtäglich in unserer Gesellschaft. Also zurück zur Frage. Können wir uns davon befreien? Als erstes braucht es wohl den Willen sich von diesen Verhältnissen zu befreien. Wie bringe ich Menschen effektiv bei ein Subjekt zu sein? Ein Subjekt zu sein bedeutet Aufwand, Aktionen benötigen Energie, der Wille diese freizusetzen muß geweckt werden. Es muß ein Anreiz vorhanden sein. Wir alle tendieren dazu den Aufwand zu scheuen wenn der zu überwindende Widerstand zu groß ist. In einer immer komplexer erscheinenden Welt, ist es ein Leichtes, drängende Fragen mit einfachen Antworten erwidern zu wollen. Der Populismus greift in vielen Ländern dieser Welt um sich. Sei es Trump in den USA , oder die AfD in Deutschland. Doch wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, diese einfachen Antworten werden die Fragen nicht beantworten, geschweige denn eine Lösung herbeiführen.
Also, wer hat die Antwort? Wie werden wir zu Subjekten in einer durch Netze geprägten neuen Gesellschaftsform? Im Moment scheint es jedenfalls mehr Bremser als Entwickler von positiven Formen des Zusammenlebens zu geben. Ich möchte mit Wolfgang Herrndorf enden, in „Arbeit und Struktur“ bringt er es auf den Punkt:

„27.7. 2012 10:49
Das Unangenehme an dieser ganzen Beschneidungsdebatte schon wieder, daß es genau wie beim Frauenwahlrecht, dem Schwulenparagraphen, dem Rauchverbot, der Sterbehilfe oder der Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen eine von Anfang an klar erkennbare Position der Vernunft gibt, die sich am Ende auch durchsetzt. Was von der Querulantenfraktion Monate, Jahre oder Jahrzehnte verzögert, aber niemals verhindert werden kann. Es ist ermüdend.“

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Ein Gedanke zu “objektive Subjekte

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