22, A Million

Bon Iver verweigert sich den Regeln. Es gibt ein neues Album. Als erstes sehe ich die Tracklist.

1. „22 (OVER S∞∞N)“
2. „10 d E A T h b R E a s T ⚄ ⚄“
3. „715 – CRΣΣKS“
4. „33 “GOD”“
5. „29 #Strafford APTS“
6. „666 ʇ“
7. „21 M♢♢N WATER“
8. „8 (circle)“
9. „____45_____“ Vernon 2:46
10. „00000 Million“

Ok, so sehen in der Regel keine Tracklists aus. Hat meine Spannung aber nicht gemindert. Gut, man kann seinem besten Kumpel mal eben sagen, daß er mal Track 5 hören soll, den Tracknamen, den muß man schon ablesen. Ich meine „29 #Strafford APTS“ kann sich ja kein Mensch merken. Aber egal, was habe ich die ersten beiden Alben geliebt, wieso sollte das jetzt anders werden. Denn so anders ist dann auch doch nicht. Ich habe Songs wie „re:stacks“ vom Debut und Holocene vom zweiten Album gehütet wie kleine Schätze. Sie flossen dahin, unendlich schön, sich im Unterbewusstsein ausbreitende Oden, voll von Liebe zum Detail, zur Musik. Jenseits allem schnell zu konsumierenden Einheitsbrei. „Come on skinny love, just last the year…“, auch klassisches Songwriting, ein Song der niemals gehen wird.
Und jetzt also das besagte dritte Album. Es klingt schon gleich nach Bon Iver. Aber dann auch wieder nicht. Es werden selbst die eigenen Vorgaben über Bord geworfen. Justin Vernon fängt an zu dekonstruieren. Er loopt, verzehrt und malt mit Klängen wie nie zuvor. Alleine die ersten 4 Lieder sind bewusst experimentell, aber trotzdem fällt der Zugang nicht schwer. Track 5 klingt das erste Mal wie ein Song, der auch auf dem Vorgänger hätte erscheinen können. Er sei hier mal beispielhaft eingefügt:

Er benutzt auch das erste Mal fremde Songs um daraus zu samplen. Die Liste der Samples ist überraschend. Die kommen aus Songs von Künstlern wie Sharon van Etten, Stevie Nicks oder Paolo Nutini. Gerade den letzteren hätte ich so nicht erwartet. Aber wie gesagt. Herr Vernon schert sich nicht mehr. Er baut und singt schöner und komplexer denn je. Wie kann elektronische Musik soviel Seele und Körper haben. Dieses Album muß man hören, man kann es kaum beschreiben. Dieses Gefühl hatte ich lange nicht mehr, endlich wieder was aufregendes. Textlich geht es um Krisenbewältigung, um Bestätigung und das Gefühl von Unsicherheit. Vieles bleibt aber auch da kryptisch, passend zur Musik. Hier noch der grandiose Opener:

Lege mich fest, das ist das Album des Jahres. Ach, das beste Album seit langer Zeit. Es ist das „Kid A“ dieses Jahrzehnts. Es löst auf und fügt neu zusammen. Und Regeln gibt es keine mehr, gewöhnt euch dran. Freue mich jetzt auf das was kommt.

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