Tilt!

„Glaubst du, dass die Leute bei Orsons Konzerten immer verstanden haben, wer da vor ihnen steht, in allen Dimensionen? Ich hatte persönlich nicht das Gefühl, dass eure Message bei allen Leuten angekommen ist.

Nee, wird’s auch glaub ich nie. Das ist irgendwie so ein Trugschluss. Für manche Leute ist Musik immer das, was sie projizieren. Und wenn man projiziert: „Die Orsons sind vier witzige Typen die ein bisschen Schwung in die Kiste bringen“, dann ist für eine Person das die Projektion. Dann stimmt das für die eine Person, und selbst wenn ich einen Lichtbildvortrag über Kindersoldaten halten würde, aber im Hintergrund leise der Schwung in die Kiste Beat kommt, dann würden die sagen: „Ah, das ist der Typ, den ich von Schwung in die Kiste kenn“. Es bedarf viel, so eine Projektion zu zerstören.“ – Quelle: testspiel.de

Ich brauchte auch etwas, bis ich die Orsons verstanden habe. Habe einem Freund auch mal gesagt, daß seien doch diese Party-Jungs-Rapper! Lag ziemlich daneben, aber hey, es stimmt wie eben auch nicht stimmt.

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„Ich entführe 2 Flugzeuge, flieg sie dir in den Bauch, vielleicht liebst du mich dann auch.“

Jetzt erschien „Tilt!“ Ein Album von Maeckes, sein drittes, wenn man „Null/Eins“ und „Zwei“ nicht mitzählt. Es ist ein grüblerisches, zweiflerisch und überlegt. Aus dem Album spricht viel Liebe zum Detail, hat mit Hip Hop wenig zu tun und doch wird gerappt, und gesungen, und.. Ach, alles irgendwie, Maeckes kümmert sich wenig darum, was man machen darf und was nicht. Jedes Stilmittel ist erlaubt, wenn es irgendwie ins lockere Gesamtkonzept passt. Den Anfang macht „Der Misserfolg gibt mir Unrecht“, ein schönes Wortspiel, eines von vielen. War übrigens auch der Opener auf dem Konzert in Hamburg und machte gleich klar, dieses Album will auch groß sein und keine Angst vor irgendwas haben.

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Danach kommt „Tilt!“ „Ich bin nicht Maeckes, ich war nie Maeckes, ich werd’s nie sein.“ Spielt mit Erwartungen, mit zugewiesenen Eigenschaften. Dann „Gettin‘ Jiggy with it“, frei auf Deutsch, komm klar damit, wir sind alles, gut und böse und das sollten wir akzeptieren. Es geht nicht anders. Alles wirkt sehr erwachsen. In den vorherigen Alben wirkte alles manchmal noch ein bißchen wie die Verwirrtheit der Jugend, jetzt ist es Abgeklärtheit mit all seinen Fragen. Ein schönes, beruhigendes Konzept, kann ich gut nachvollziehen.

„Wir bauen Atomkraftwerke am Strand, wovor haben wir Angst?!“

Das Album schließt mit „Loser“, einer Hymne an all unsere Fehler, an Eigenschaften die uns mitdefinieren, und bildet damit den runden Abschluß für diese Kiste an Gedankenschätzen. Dafür muß ich ihm einfach mal danken. Ein Album mit Gehalt, ist selten und darum so kostbar. Ihr müsst euch das jetzt anhören, es ist eine Bereicherung, ich schwöre. Bin sehr gespannt, wo es mit diesem Künstler hingeht in Zukunft, der hat so viel Potential. Ick freu mir.

„Ich misch dir Raupen in dein Essen, solange bis Schmetterlinge in deinem Bauch sind.“

Auch die Making of Doku „road to tilt“ ist sehr schön.

„Und ich wartete so lang, wie alle Kippenstummel zwischen den Bahngleisen zusammen.“

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