Archiv der Kategorie: Mucke an Welt aus.

Songs für den andersbegabten Liebhaber

Kaum ist die erste Hälfte von 2018 fast um, habe ich das Jahr 2017 in einer EP verpackt auf die Reise geschickt. Songs beschreiben einen Moment. Die meisten können zwar eine übertragende Bedeutung erhalten die auch längerfristig von Geltung ist, die ursprüngliche Intention geht aber in der Regel verloren. Sie hatte Gültigkeit, in der einen Situation, an dem einen Tag. So auch die folgenden Lieder. Wenn ich sie höre, dann erinnere ich mich an das Gefühl in diesem Augenblick. Dann freue ich mich, daß ich es festgehalten habe, und das jetzt alles anders ist. Nicht besser, nicht schlechter, einfach anders. Alle Songs sind in Eigenarbeit in den wenigen Stunden Zeit, oft als Nachtschicht, entstanden. Schnell und roh und ohne viel auf Hochglanz polieren. Sie sollen einfach meine Erinnerung sein. Wenn ich das nächstes Jahr zum gleichen Zeitpunkt nochmal schaffe, bin ich gut. Es gibt sie auf allen großen Plattformen, iTunes, Amazon, Deezer, Tidal, iHeart Radio usw. Vielleicht hört ihr ja mal rein. Letzten Monat habe ich mit Streams 2,87$ verdient, *schreib Kündigung*……

Alles geht

und wenn du mich fragst:”willst du gehen?”
dann schau ich dich an und versuch zu verstehen
was ebend noch war, ist längst nicht mehr da
negiert sich jetzt selbst und kommt nie mehr nah

es ist doch so, wir wollen bestehen
im grunde der antwort, suchend, entlehnen
was flüchtig wie gas, sich langsam entwindend,
verschwindet und stets doch die schatten bindet

Ich halt’s schon lang nicht mehr fest
alles geht, alles geht
was groß war und langsam in vergessenheit gerät
alles geht, alles geht

ich nehme die spur, nehm’ jetzt das vage
nehme mir die angst, den ernst der lage
was du versuchst dir fern zu halten
versuch ich von nun an in demut zu verwalten

Und dann im Moment, du drehst dich weg
Kann dich nicht finden, ich such dein Versteck
Kommt die Erkenntnis, ich kann sie sehen
Wenn du etwas liebst, dann lass es gehen

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Top 5 2017

Mein Musikjahr 2017? Hmm, mal wieder nicht so einfach. Wie die letzten Jahre, hier und hier und hier, usw. Immer auf der Suche nach dem nächsten Album, das mich berührt. Irgendwo. Irgendwie. Gemocht habe ich ein paar Alben, natürlich. Aber das sind nicht zwingend die, die bleiben. In diesem jährlichen Post versuche ich die zu finden, bei denen ich denke, daß sie länger auf Rotation bleiben oder einfach nur irgendwann nochmal rausgekramt werden. Die anderen höre ich ein paar Mal und dann verschwinden sie. Für immer. Das waren dieses Jahr zum Beispiel Melodrama von Lorde, Damn von Kendrick Lamar, Masseduction von St Vincent oder Prisoners von Ryan Adams. Sehr guten Alben, ehrlich. Verschwinden trotzdem im Nebel. Hier also die Liste mit den „Freunden“, die mir ans Herz gewachsen sind. Egal, ob ein bißchen peinlich oder nicht. Für die schäme ich mich nicht, gehören halt zur Familie.

Phoebe Bridgers – Stranger in the Alps

Mein Heavy Crush des Jahres. Warum weiß ich nicht so genau. Manchmal erwischt es einen halt. Ich bekomme jedes Mal dieses warme Gefühl, wenn die Gitarre von Smoke Signals einsetzt. Und das hört dann erstmal nicht mehr auf. Ich habe sie mir dann in Hamburg live angeschaut, in ganz kleinem Kreis, da standen 30 Menschen vor der Bühne. Hoffentlich hat sie nicht mitbekommen, wie ich sie anhimmele für ihre zeitlose Melancholie. Sie war „Vorgruppe“ für Japanese Breakfast, weil sie auf dem gleichen Label ist. Hier ein Song mit einem ihren nicht ganz unbekannten Förderer. Conor Oberst ist ja jetzt auch kein ganz Unbekannter. Sorry, Liebe ist manchmal eben einfach da.

Faber – Sei ein Faber im Wind

Faber kenne ich schon eine ganze Weile. Das erste Mal habe ich ihn als Vorgruppe von Sophie Hunger in Kiel gesehen. Da war so viel rohe Energie. Dieses Jahr ist er dann groß geworden, wahrscheinlich weil AnnenMayKantereit ihn mit auf ihrer Zirkustour hatten. Oberwohl er eigentlich ganz anders funktioniert, einem völlig anderen Millieu entstammt. Letztes Jahr habe ich ihn jedenfalls noch beim Falaffelmann gegenüber der kleinen Astrastube getroffen und ihm gesagt wie gut ich ihn finde. Er war wahnsinnig sympathisch und hat danach auch nochmal ein Konzert voll Kraft und Ausdruck gespielt. Dieses Jahr war dann schon der Mojo Club ausverkauft in Hamburg. Da war ich dann nicht mehr, so schnell geht das. Hier etwas von seinem sehr guten Debutalbum:

Käptn Peng – Das nullte Kapitel

Auf das Album habe ich mich auch gefreut. Seit ich sie beim Heimspiel Knyphausen das erste Mal live gesehen habe, hat mich die Energie dieser Band nicht mehr losgelassen. Das Debutalbum war eine Ansammlung wundertoller Lieder und Lyrics. Ganz anders, ganz großartig. Was sollte danach kommen? Das schwierige 2te Album natürlich. Mit dem bin ich auch nicht sofort warm geworden. Eine Weiterentwicklung schien mir nicht sofort ersichtlich. Bei „Meister und Idiot“ hatte ich das Gefühl, das ist „Sockosophie“, nur in schlechter. Aber ich wollte dem Album eine Chance geben. Und nach und nach fand ich die Details und Perlen. Jetzt mag ich es genauso, ehrlich. Auf eine andere Art eben.

Gisbert zu Knyphausen – Das Licht dieser Welt

Auf das Album habe ich lange gewartet. 7 Jahre um genau zu sein. Gisbert wollte schon früher, aber er ist eher langsam und dann kam ja noch das jähe Ende von seiner Band Kid Kopphausen. Der Tod von Nils Koppruch hat ihn sehr mitgenommen, das erzählt er in Interviews immer wieder. Das neue Album ist auch so ein Werk, das man sich erarbeiten muß. Da sind außer dem Titelsong wenig Hits drauf. Und das macht garnichts. Wie immer im Leben gefallen einem die nicht offensichtlichen Dingen nach einer Weile eh besser. Genau wie bei „Das Licht dieser Welt“. Der Titeltrack ist zwar ein Stück Filmmusik, nämlich „Timm Thaler“ und damit natürlich ganz anders als der Rest der Songs. Das Lied ist aber vom Songwriting her in seiner Schlichtheit wunderschön. Ganz ohne Ironie und trotzdem nicht einen Moment peinlich oder gewollt. Das muß man erstmal hinbekommen. Ihr wollt den Unterschied hören zwischen Julia Engelmann, Silbermond, dem ganzen anderen Gedöns und guter Musik? Eat this deutsche Musik. So geht das. Hach.

John Mayer – the search for everything

Nicht, daß ich ihn für einen besonders guten Songwriter halte, aber als Gitarrist bin ich schon verliebt in ihn. Er hat seinen ganz eigenen Stil und ich finde ihn live schlichtweg unglaublich gut. Ich möchte so spielen können wie er, versuche es auch und scheitere natürlich. Dieses Jahr kam nun wieder ein Album von ihm und da sind auch ein paar gute Songs drauf, wie immer. Wenn ich auf Spotify schaue, was ich 2017 am meisten gehört habe, dann ist er in den Top 10, ich kann das nicht leugnen.

 

Die letzten Jahre habe ich auch immer mein Random Lieblingsvisual gekürt. Geht dieses Jahr an Judith Holofernes. Weil ich das Lied so mag. Und das Video wegen der schlichten Eleganz beim umsetzen des Themas:

Ein gutes Jahr

Ok letztes Jahr, du warst ja mehr so Endgegner, vom Weltgeschehen möchte ich gar nicht anfangen, das sei dahingestellt. Nein, das Leben steuerte mich direkt in die Endverwirrung, zur daueranstrengenden Anwesenheit der Gegenwart addierte sich ein Gefühlschaos aus dem Superior-Segment.

So beschrieben die letzten Monate eine Geschichte über Sand im Getriebe, das Ende einer Ewigkeit, vielleicht nicht für das Universum, denn das kennt diese Geschichte schon zur Genüge und ist sicherlich gelangweilt von derlei Nichtigkeiten. Nein, für mich. Für mich als Einschnitt, als Eintritt in eine Sinnkrise. Tage, die etwas teilen, in ein davor und danach.

Manchmal bin ich so müde, es übermannt mich. Dann bin ich voll von Ideen, es gibt so viel zu tun. Aber müde alles zu definieren. Sollen das Andere machen. I’m with the band, lasst mich durch.

Ein gutes Jahr

und ich dachte ich hör’ dich, ich schwör’ ich hab’s versucht

die ganze Zeit

hör’ mich sagen, es stand ein Raum in meinem Leben für dich bereit

dir nichts nachzutragen, nichts zu beklagen, doch 1 Jahr geht schnell vorbei, wenn man wartet und kein Licht fällt rein

 

und jeder weiß, daß auf dein Geheiß

mich jemand nach Hause bringen kann

mich jemand nach Hause bringen kann

und all die Wunden erzählen uns vom fallen

so bleibt die Erkenntnis, es hat uns viel gefallen

 

und so war’s immer noch ein gutes Jahr,

jetzt wird es mir klar, ein gutes Jahr

 

alles gesagt, alles getan, ich habe keine Fragen mehr

dieser Moment indem ich begreif’, lässt vermuten du bist genauso leer


ein gutes Jahr, jetzt wird’s mir klar

das war ein gutes Jahr

Die Suche

Hier eine Aufnahme, schnell und dreckig, wie immer, von einem Song den ich für den Songslam in der Songbude geschrieben habe. Mein erster Country-Versuch 🙂 Bin ja bekanntlich vor nix fies.

Die Suche

Ich vergesse jetzt die Liebe, bis sie mich haltlos wiedererkennt.

Werde leugnen wenn sie mich fragt, lügen wenn sie Ross und Reiter benennt.

Für einen langen leisen Moment, wenn sie furchtlos und vehement,

ihren Willen zeigt, dich gar glauben lässt, sie wär nicht dekadent.

 

Also warum vermisse ich dich nicht?

Ich suche dich nur wenn du schon bei mir bist.

Und warum vermisse ich dich nicht,

ich frage dich wenn der Mut mich vergisst.

 

und jetzt bleibt mir auch nur warten,

hier ist nichts als müdes denken

ich könnte allmählich, suchend lenken,

am Ende doch nur uns beide kränken.

Wenn ich jetzt also lieber nichts sag’,

heißt das nicht nicht, dass ich dich nicht mag.

Es ist nur, ich fühl’ die Worte und die Jahre,

drehe mich um, und verneine das Offenbare.

 

Also warum vermisse ich dich nicht?

Ich suche dich nur wenn du schon bei mir bist.

Und warum vermisse ich dich nicht,

ich frage dich wenn der Mut mich vergisst.

 

Ich vergesse jetzt die Liebe, bis sie mich haltlos wiedererkennt.

Werde leugnen wenn sie mich fragt, lügen wenn sie Ross und Reiter benennt.

Holocene

Warum ich Bon Iver so liebe? Der Versuch einer Liebeserklärung anhand eines Beispieles. Vorsicht, es wird ein wenig nerdy.
Eines meiner Lieblingslieder von Justin Vernon ist „holocene“. Er ist ein Meister darin Stimmungen zu erzeugen. Stimmungen, die ein ganzes Lied tragen, den Inhalt des Textes unterstreichen und die Instrumente diesen Gefühlen unterzuordnen. Er malt damit, benutzt sie bewusst um Dynamiken zu erzeugen. Den Instrumenten wird eine andere Rolle zugewiesen als in 98% der modernen Musik. Er versteht es, Entwicklungen aufzugreifen und sie in seine Kleinoden einzuarbeiten. Sein erstes Album war ein Folkalbum, getragen allein von dem Ende einer Beziehung und deren „ausschwitzen“ in musikalischer Form. Schon mit dem zweiten Album öffnet er sich und bindet orchestrales ein, „22, a million“ dann dieses Jahr integriert Elektro. Stets aber mit seiner Vision, stets im Kontext und dem Song dienend.
„holocene“, und jetzt kommt Songwritingtheorie, ist aufgebaut wie ein Standardsong aussehen könnte. Intro – Verse/Chorus1 – Verse/Chorus2 – Verse/Chorus3. Und trotzdem werden im Detail Techniken verwandt, die anders sind als sonst. Das Intro wird bestimmt durch 2 Akkustik-Gitarren, die ein Zupfmuster entgegengesetzt vor und zurück spielen und dabei im Stereobild ebenfalls entgegengesetzt hin und her gepanned werden. Vernon erzeugt dabei etwas, was eigentlich desorientierend wirken sollte, dabei erzeugt es aber eine warme Wohlfühlstimmung.

„Some way, baby, it’s part of me, apart from me“

Vernon erreicht damit, daß wir nicht mehr die Instrumente wahrnehmen, sondern den Song als ein eben solches. „holocene“, also das Holozän, die Epoche, in der die Menschheit die für sie wichtigsten Errungenschaften entdeckt und erfindet, ist gleichzeitig eine Bar in Portland/Oregon in der er einen sehr schlechten Abend verbringt, wie er mal in einem Interview erzählt hat. Er lenkt uns mit dem Intro direkt in seine emotionale Lage damals.

„You fucked it friend, it’s on its head, it struck the street.“

Die Emotionen erzeugen durch die Musik gleich einem Resonator, sich ineinander bewegende Wellen. Er steigert diese im Verlauf mit dem hinzufügen von weiteren Instrumenten. Einem Piano, einem Glockenspiel, einer Snare, Handclaps und Trompete. Diese Instrumente werden weit hinten im Klangbild eingesetzt, wieder zur Erzeugung von Stimmung. Eine Trompete trägt in der Regel eine Melodie, hier wird sie für die Fläche eingesetzt. Ein bewusster Schritt in die Tiefe.
Den Höhepunkt erreicht der Song mit dem letzten Refrain. Er erreicht ihn durch die Instrumentierung, zum Beispiel das Schlagzeug mit seinen aus dem Hintergrund treibenden Snarewirbeln und dem Einsatz jetzt aller vorher eingeflochtenden Instrumente, als auch der Zusammenführung aller Textbausteine zu der einen Erinnerung, der Erkenntnis, dem persönlichen Scheitern.

„Third and lake, it burnt away, the hallway..“
„Now to know it in my memory
And at once I knew I was not magnificent“

Zu Scheitern hörbar machen, darum geht es in dem Song. Er verpackt das große Bild in ein kleines. So wie es schon andere Meister vor ihm gemacht haben. Umhüllt von einer Stimmung, die den Gedanken ein Rahmen bietet. Viele kleine Anspielungen auf kleine Beobachtungen, die dem Prisma Erinnerung eine Plattform bieten und sie zu etwas größerem formen. Vernon geht den einen Schritt weiter als viele der anderen Singer/Songwriter. Er bettet seine Songs in einen übergeordneten Kontext, arbeitet vielschichtiger und erreicht dadurch die Tiefe, die Kunst von Gebrauchsmusik unterscheidet.

Danke. Großes Gefühlskino.

„Memory commits you to the nuance; the fog. If you act on memory you commit yourself on the basis of echoes: unpredictable, faint, fading even as they were generated. No basis on which to inch out across your life, and yet all you have.“ — THE M JOHN HARRISON BLOG

alles ändern

Neues Jahr, neuer Song. „Four-to-the-floor“-Beat, wollte ich immer mal machen. Mit so wenig Schnick-Schnack wie eben geht.

alles ändern

Wovor hast du Angst?
Alles passiert, wie es passiert, wie es passiert.
Und jetzt denke nicht mehr daran.
Es liegt nicht in deiner Hand, deiner Hand, deiner Hand.
Du bist wieder gerannt.
Hast versucht zu lenken und nichts wiedererkannt.

Und für das Herz ist das Leben einfach.
Es schlägt solang es eben kann.
Doch was immer du jetzt sagst,
ich weiß, daß sich noch alles ändern kann.

Alles scheint hier so fremd.
Bist hier 1000 Mal gewesen.
Und jetzt willst du hier weg.
Denn alles riecht, alles riecht, alles riecht.
Du suchst neues Land.
Da vorne funkelt es so schön, du willst es sehen.

Vor, zurück, ich fühle kein Ziel.
Vor, zurück, ich will nicht viel.

Top 5 Musik 2016

Weitestgehend unkommentiert, wie immer. Wieder kein gutes Jahr für die alte Liebe Rock. Gebe wohl jetzt auf danach zu suchen. Aber gute Musik gab es trotzdem wie ich finde. Kunst ist am besten, wenn die Umstände schlecht sind. Wenn man sich den Weltenlauf so anschaut, dann kommt eine Menge gute Musik in 2017. Vorfreude.

5. Radiohead

Endlich wieder was Neues von Radiohead. Ich höre da einfach gerne zu. „Daydreaming“ ist ein schönes Beispiel. Das Malen mit Stimmungen, Sounds und Worten. Zum reinfallen.

4. Dota Kehr

vergiftet – Da ist ein Piepsen und ein Ticken und ein Deut in ihren Blicken, die mich rügen. Falsche Farben! Schau, sie lügen! Alles schmeckt so nach Betrug. Oh, lasst es sein, es ist genug.

3. Kate Tempest

Picture a vacuum
An endless and unmoving blackness
Peace, or the absence at least, of terror
I see and amongst all this space
That speck of light in the furthest corner
Gold as a pharoah’s coffin…….

Albumtrailer:

2. Maeckes

Marie-Byrd-Land – ich misch in dein Essen ein paar Raupen, solange bis Schmetterlinge in deinem Bauch sind


1. Bon Iver

715 – CR∑∑KS –

Toiling with your blood
I remember something
In B, unrationed kissing on a night second to last
Finding both your hands as second sun came past the glass
And oh, I know it felt right and I had you in my grasp

 

 

Und dann zum Schluß noch ein visueller Höhepunkt des Jahres. Eigentlich alles von Balbina, von der Musik könnt ihr halten was ihr wollt, aber die Videos sind immer besondere Ästhetik, mag das.