Gewinnmaximierung

Wir sind in unserer Demokratie in die Defensive geraten. Es ist charakteristisch für das was uns abverlangt wird, und doch möchten wir so gerne anfangen für das Kompetenz anzumelden, was unseren Lebens- und Wahrnehmungsbereich ebenso betrifft, wie die Politiker, die meinen, man könne unser Wohlbefinden monokausal aus dem DAX-Stand ableiten.

Dabei ist es so wichtig unsere Lebensräume zu schützen! Selbst Kulturraum ist mittlerweile von Auswüchsen des Kapitalismus bedroht. Das geht bis in die Vertreibungsformen von Gedanken, in Reflexionsweisen, in Wahrnehmungstypen, in Sprechformen von massenmedialem Raum. Das geht bis zu dem Ventilieren von Interessen zwischen Anzeigeteilen und Reportage- und redaktionellen Teilen in Tageszeitungen. Aber das ist der Mensch doch eigentlich nicht. Wenn darüber abgestimmt worden wäre, ob Klassiker der Literatur geschrieben worden wären, dann gebe es sie sicherlich nicht. Wir befinden uns in einer Welt, in der im Grunde genommen am Parameter des ökonomischen Gewinns permanent abgestimmt wird über das, was Gegenstand unseres Interesses sein soll.

Jetzt ist es also notwendig, mit einer Dringlichkeit, eine Form von Einspruch zu formulieren, die von denen kommt, deren Kompetenzen sich nicht speisen aus den Prinzipien der Gewinnmaximierung. Es müssen Menschen sein, die Kompetenzen haben im Bereich des Bewusstseins, deren Wirklichkeit davon geprägt ist, sich den eigenen Lebensraum als das zu gestalten, was eine andere Art von Denken, Fühlen und Antizipation voraussetzt. Kultur besteht nämlich nicht in ihrem fundamentalen Charakter aus dem Erwerb von Produkten, nicht aus dem Konsum, sondern aus der Rezeption von eigenen Werken, die es uns möglich machen, zu handeln, zu fühlen, zu lieben, zu schmecken oder zu ahnen was wirkliches Leben sein kann. Der Konsum ist im Kern eine Überbrückung von Einsamkeit. Denn die Einsamkeit umhüllt uns zwangsweise, wenn alles was uns umgibt einer Marktwerdung unterliegt. Der Gesundheitsmarkt, der Therapeutische Markt, der Kunstmarkt, der Wissensmarkt, dem Paradoxon vom Markt der Ideen.

Mit welchen Parametern soll man also antworten? Da könnte es ein altes, romantisches Ideal der Gegenöffentlichkeit sein. Es wäre so wichtig, daß der Leitartikel wieder seinen wahren Wert erkennt und so etwas wie eine außerparlamentarische Opposition formt. Wenn ein neuer Begriff von Individualität unausweichlich wird. Wenn Opposition wieder formulieren lernt, was seine humanistischen Ansprüche gegenüber dem Staat sind. Es kann sich speisen aus den alles überragenden Ideen des Grundgesetzes, aus dem Ausbrechen aus einer vom Markt kreierten Opferrolle im Sinne der Gewinnmaximierung, aus der Formulierung der eigenen, wirklichen Bedürfnisse der Gesellschaft.

Die Überführung von allen Denkformen in merkantile Gesichtspunkte führt offensichtlich nur in eine Richtung, der Entsolidarisierung zwischen den diversen Gruppen der Gesellschaft. Diese Entwicklung wird immer eklatanter sichtbar. Das jetzige kapitalistische System macht deutlich, wie dem Menschen auf massenmediale Weise die eigenen Interessen abgeknöpft werden, so daß man glauben könnte, die Rücktrittserklärung von Frau Merkel wäre irgendetwas, was auch nur im entferntestem Wallungswert besäße. Nein! Solche Dinge lenken ab, von dem was uns wirklich wichtig sein sollte. Wo wollen wir hin? Das, was uns als Politik angeboten wird über große Teile der Medien, dient der Entpolitisierung, der Entwicklung zum Stimmvieh. Im Gegenteil, wir müssen endlich formulieren was Demokratie für uns sein soll!

Denn dieses System steht auf Prinzipien der Ausbeutung zum Beispiel ärmerer Menschen, ärmerer Länder, und dies in seiner Begründung ein zu tiefstes Dekadenz-Phänomen ist und auf Unrechtsbestimmungen wurzelt. Wenn wir daran denken, wie wir Waffen exportieren und damit großes Leid, wie wir Menschen unter unwürdigsten Verhältnissen Dinge produzieren lassen, so daß wir unserem Konsumsystem frönen können, dann wird schnell klar, daß wir der inneren Bigotterie anheim gefallen sind. So kann ich nicht umhin, die Segnungen der gewinnmaximierenden Demokratie ihrer Ethik absprechen zu wollen. Wenn wir dieses System als immanent plausibles beschreiben, als eines, das in seiner Grundlage und seiner Logik konsistent sein soll, dann kann ich nur nochmal fragen, ob das wirklich unser Wille ist: Wo wollen wir hin?

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Jugend

Jugend

Kevin Kühnert und seine #nogroko–Initiative wird von den Älteren nicht ernst genommen. Wenn er auf dem SPD-Parteitag seine wirklich guten Argumente gegen eine weitere große Koalition vorträgt und dafür vehement eintritt, dann schreibt ihn eine ganze Horde von älteren Journalisten und Politikern klein. Schnell wird vergessen, daß er eine Organisation mit ca. 70000 Mitgliedern führt und schon sehr lang in der Politik aktiv ist. Warum ist das so?

Ich habe mir Gedanke dazu gemacht und bin mir sicher, daß wir beginnen den Wandel in der Arbeitswelt hin zur Industrialisierung 4.0 massiv zu spüren. Die Ziele im Laufe eines Arbeitslebens ändern sich gerade stark. Menschen, die vor 1980 geboren worden sind, hatten ihren Fokus auf Sicherheit in ihren Arbeitsverhältnissen. Danach Geborene wollten Arbeit, Familie und Freizeit miteinander in Einklang bringen. Man organisiert die Arbeit um sein Leben herum. Das war vorher anders. Die vorherigen Generationen haben zusehends Schwierigkeiten mit der Verschiebung des Schwerpunktes. Sie sehen darin geradezu einen Affront und ein in Frage stellen ihres Lebensentwurfes. Dieses aktuelle Generation nimmt die Entwicklung in der Industrialisierung 4.0 vorweg. Durch den Einsatz von Algorithmen und Automatisierung in fast allen industriellen Bereichen fallen viele Arbeitsstellen weg und der Fokus vieler Menschen muß sich zwangsweise verlagern. Durch viele neue hoch spezialisierte Jobs wird Selbständigkeit zunehmen. Damit ein geht eine völlig neue Art Arbeit zu organisieren. Die Erfolgssymbole der vorherigen Generationen werden schlichtweg ignoriert. Die jetzige Generation möchte mit ihrer Arbeit etwas bewegen, die Welt mehr gestalten und damit auch verändern. Damit haben die Älteren Schwierigkeiten, es wirkt aufmüpfig, ihnen wird vorgehalten die Realität zu ignorieren. Dabei müssen sie sich nur anpassen, den Weg in die Netzwerkgesellschaft finden. Die Zukunft ist da, nur nicht überall in gleichen Maßen.

Was mir fehlt in der vorherigen Generation ist der Mangel an Interesse für moderne Kommunikation. Es ist klar, daß es Digital Natives einfacher haben, mit Twitter oder Instagram umzugehen. Es ist klar, daß der kaum zu durchdringende Dschungel mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten dem digitalen Sturm der Nachrichten etwas ordnendes entgegensetzen zu können. Das muß man lernen, sich annähern, es als neue Gesellschaftstechnik erkennen. Das ist in der bisherigen Geschichte der Industrialisierung geschehen. Passiert das jetzt nicht, weil die Geschwindigkeit der Entwicklung sich erhöht hat? Ist es die Angst nicht mithalten zu können? Es gibt doch positives an der Entwicklung. Es werden neue Räume in der Freizeitgestaltung geschaffen, das ist doch erstmal nichts Schlechtes. Die Systeme müssen nur darauf angepasst werden. Nur eine klassische Erwerbsbiographie hat bisher Alterssicherheit garantiert. Die neue Generation unterhält dieses System nicht mehr und wir haben noch keine Lösung für diese Veränderung. Lasst uns eine finden!

Ein erster Schritt wäre doch dann, der neuen Generation, die die Netzwerkgesellschaft vermeintlich besser verstehen müsste, zuzuhören. Nur wer versteht kann helfen, etwas Neues zu entwickeln, die Dinge wieder anders zu denken. Ich habe da natürlich noch keine Lösung für, nur das Offenheit gegenüber der Entwicklung absolut notwendig ist. Wer nicht daran interessiert ist, die Generationen weiter auseinander zu dividieren, der darf sich den neuen Ansätzen nicht verschließen, muß einen Schritt auf das Gegenüber zugehen. Noch lässt die regierende Politik- und auch Gesellschaftsgeneration den notwendigen Respekt vermissen. Ich hoffe auf den Wandel. Im Moment ist das ausbremsen von Entwicklungen im Vordergrund. Wenn wir den Anschluß nicht verlieren wollen, muß sich dieses ändern.

Vorsätze 2018

2017 habe ich damit angefangen. Ich habe mir tatsächlich Vorsätze für das neue Jahr gegeben. Vorsätze und Herausforderungen die es zu erfüllen galt. Hier der Reality-Check. Denn nichts grätscht dir so schön in die Parade wie das Leben.

– mehr ordnen, Spontanität will gut überlegt sein — vielen Dank Evernote, du machst mein Leben einfacher!!
– eine druckbare Zeile jeden Tag, also für neue Songs — nicht jeden Tag, aber immer öfter
– ein Album als App im Store und in den Streaming-Portalen — ok, 1 Song auf allen Portalen, das werde ich ausweiten. War nicht einfach rauszufinden und einen guten Dienst zu finden, aber check, done!
– Musikvideo für eigenen Song machen, wer macht mit? — immer noch Lust drauf, bleibt für 2018 auf der Liste, Fabsi hilft mir, gerade beschlossen.
– eine neue Jobkompetenz jede Woche — Hätte auch noch besser sein können, zu oft in anderen Notwendigkeiten stecken geblieben, Ziel muss aber beibehalten werden
– ein neues Buch jeden Monat lesen — gerade mal geschaut, nur 9 geschafft, das ist wirklich ein Armutszeugnis, das MUSS besser werden!
– Buch fertig schreiben, Hälfte ist fertig. Lektor finden, der einem erzählt, daß man aber mal so gar keine Ahnung hat. Also vielleicht eher Ziel für 2018 — Weitergeschrieben, aber je mehr, desto komplexer, eher 2019, naja, hat Zeit.
– Jeden Tag auf Blendle.com oder perspective-daily.de gehen und 1 guten Artikel finden…und Geld dafür zahlen — gemacht! Beste Entscheidung, 2 super Seiten, fühle mich schlauer. Weitermachen!!
– gezielt gute Nachrichten raussuchen, aber trotzdem informiert bleiben — Passiert automatisch durch Perspective Daily. Super Seite.
– roten Anzug kaufen und wie ein Idiot aussehen, weil ich so einen will! — Nicht gemacht, aber der Wille ist noch da. Dafür einen blauen Anzug gekauft. Gilt das auch?
– #Bitchbody2017 – Challenge wegen Fokus und so. Verspreche auch keinerlei Fotos von mir zu posten, falls es klappt — Hat funktioniert, fühlte mich fitter denn je. Ein absolutes Plus. Der Dezember wie immer ein Schlag ins Kontor, ist aber garnicht so schlimm, muss auch sein. Aber Januar geht es wieder los.
– Schreib es auf! — done, siehe oben, mein Leben ist Evernote.

Neue Ziele:
– Beruflich neue Optionen checken, mein „been there, done that“-Gefühl verstärkt sich zusehends. Das kann nicht gut sein. Vielleicht etwas ganz Anderes? Dieser IT-Shice setzt sich nicht durch.
– Nicht die Sach-Ziele so wichtig nehmen. Mehr Aktivitäten-Ziele mit MENSCHEN, also konkrete Personen. Ist viel wichtiger. Ich erreiche etwas mit……
– Mehr Musik mit anderen Menschen. Songs schreiben am Rechner ist wichtig, Creativity und so, aber mit anderen halt eben auch, GO!
– Das Bildungssystem scheint unreformierbar, machen wir also weiter. Bin jetzt Delegierter für den Landeselternbeirat.

Wie letztes Mal, die wichtigen Ziele verrate ich sowieso nicht 😉

Führung

Die Netzwerkgesellschaft führt uns in einen wirtschaftlichen Prozessmusterwechsel. Auf der einen Seite haben wir stark globalisiert, betreiben Global Sourcing, und auf der anderen Seite haben wir durch das Internet und im Speziellen durch Social Media eine völlig neue Vernetzungsdichte erreicht. Es entstand  in den letzten Jahren eine maximale Zahl an Beteiligten in einem Prozess, dessen Komplexität dadurch enorm anstieg. Diese Systeme haben eine Tendenz zur Nicht-Linearität, sie schaukeln sich auf. Das ist simple Netzwerk-Theorie. Es passieren dann Dinge, die ich nicht vorhersagen kann.

Was bedeutet das also für Führung in einem modernen Unternehmen? Ich habe oft das Gefühl, daß Entscheidungen im Bezug auf Marktentwicklung kaum noch antizipierbar sind  und dadurch viele Maßnahmen im Nachgang kopflos wirken. Es gibt 3 Herausforderungen.

1. Die Komplexitätsfalle: Es gibt jetzt 2 Pole, ein System was immer mehr Komplexität erzeugt und einen immer geringer werdenden Planungshorizont. Führung ist dadurch häufig nicht mehr Richtunggebend. Das wiederum untergräbt die Legitimierung von Führung. Warum bekommst du mehr Geld, wenn du kaum noch Entscheidungen für die Zukunft treffen kannst?

2. Die Machtverschiebung: Kommen wir nochmal zur Theorie von Netzwerken. In Netzwerken ist nicht der Sender das führende Glied, sondern der Empfänger. Probleme werden aufgrund ihrer Komplexität nur noch in einer Gruppe durch Bündelung von Know-How gelöst. Auf diese Art von Vernetzung hat Führung keinen Zugriff, die Macht übernimmt das Netzwerk. Auch dadurch verliert Führung ihre Legitimation.

3. Die Identitätsfrage: Probleme können nicht mehr durch den Einzelnen gelöst werden. Es muß kooperiert werden. Kooperationen finden interdisziplinär statt, entweder horizontal über verschiedene Abteilungen, oder sogar vertikal zwischen verschiedenen Unternehmen. Der organisatorische Unterbau wird dadurch ständig in Frage gestellt und der Identifikationsrahmen aufgelöst. Die Führung verliert auch hier einen weiteren Zugriff durch auflösen der vorher bindenden Struktur. Der Mitarbeiter arbeitet mehr in einer Netzwerkstruktur als in einem Unternehmen und braucht dadurch eine neuen sinnstiftenden Zusammenhang.

Da ist er also, der Paradigmenwechsel. Vor ein paar Jahren waren Führungskräfte dadurch legitimiert, daß sie erfolgreich strukturiert haben, um Effizienz zu steigern. Das neue Netzwerk-basierte System benötigt aber weithin mehr Innovation statt Effizienzsteigerung. Das scheint wenig angekommen zu sein. Immer wieder erlebe ich die gleichen alten Muster in Unternehmen. Was jetzt zählt, ist der Aufbau von Beziehung. Es müssen stabilisierende Wertemuster angeboten werden, die Statthalter werden für die sich auflösenden alten Organisationsmuster. Eine moderne Führungskraft muß also immer wieder dem Mitarbeiter Werte anbieten, die dadurch Identifikation mit dem Unternehmen herstellen. Diese müssen auch ständig verhandelt werden, sie sind nicht festgeschrieben und unterliegen ständigen Veränderungen im System.

Warum kann ich also schlecht Bindung aufbauen zu meinem Job? Ich arbeite in einem Unternehmen, welches alleine in Deutschland knapp über 10.000 Mitarbeiter, weltweit mehr als 100.000! Jetzt arbeite ich allerdings auch in einem relativ kleinen Team von ca. 25 Kollegen, nur Männer übrigens, was ich sehr bedaure, aber dazu ein anderes Mal, Bindung zum Umfeld fällt hier leichter. Zum Unternehmen ist es aber schwierig ein Verhältnis aufzubauen. Marx spricht von Entkopplung vom hergestellten Produkt und der Arbeitskraft des Arbeiters. Wenn jetzt noch der Überbau, also die Unternehmensstruktur selbst,  abstrakt bleibt, wird Identifikation schwierig. Auch hier brauche ich eine anders als früher agierende Führungskraft, sie ist verantwortlich dafür die Bindung in einer Netzwerkstruktur herzustellen.

Ich werde weiterhin darüber nachdenken, wo und wie ich diese Strukturen in Zukunft finde. Wer Ideen hat, ich bin dabei!

Der Instagram Algorithmus

Das Instagram Experiment ist abgeschlossen. Ich glaube, ich habe jetzt verstanden. Bei Instagram begann es einst demokratisch, wie vor Urzeiten bei Facebook. Im Feed wurde alles nach Zeitpunkt des Postings eingestellt. Mit einer wachsenden Anzahl an Mitgliedern und auf User-Ebene, Beiträgen von allen Mitgliedern denen man folgt im Feed, wurde es zusehends unübersichtlich. 70% der Beiträge, so sagt Instagram, die man vielleicht gerne gesehen hätte, hat man einfach verpasst. Also musste die Reihenfolge von Bildern angepasst werden. Die Coder von Instagram haben sich zum Beispiel folgende Kriterien ausgedacht:

  • Welche Inhalte gefallen dir?
  • Welchen Menschen schickst du Direktnachrichten?
  • Nach welchen Accounts suchst du?
  • Welche Personen kennst du im wirklichen Leben?
  • Welche Werbung passt zu dir?

Diese Faktoren werden je nach Person gewichtet und in einen individuellen Instagram-Algorithmus umgewandelt. Es ist klar, dass diese Kriterien nur einen Bruchteil der Einflüsse darstellen. Der Algorithmus ist vor allem ein selbst lernender. Er testet Varianten und nähert sich somit Schritt für Schritt dem optimalen Nutzererlebnis. Ziel ist es, den Nutzer so lange und so oft wie möglich in die App zu bewegen. Bei mir hat es des Öfteren funktioniert.

Wer jetzt denkt, es geht nur um den Nutzer, ist natürlich naiv. Wie alle anderen Apps, gilt es natürlich den Dienst so gut es geht zu monetarisieren. Das erreicht man hauptsächlich durch das Verkaufen von Nutzerdaten und durch Werbung. Während die Nutzerdaten fast von alleine eingesammelt und dann aufbereitet werden können, geht Werbung leicht unter wenn man Beiträge nicht priorisieren kann. Der Algorithmus musste also alleine aus diesem Grund schon her. Sonst hätte man keinem werbenden Unternehmen die gewünschte Reichweite garantieren können.

Was bedeutet das für meine Zeit auf Instagram? Aller Anfang war leicht. Content produzieren der nicht zu dämlich ist, vielen folgen, viel liken, viel kommentieren und Hashtags mit weiter Verbreitung benutzen. Es hat nicht allzu lang gedauert bis ich bei zirka 350 Followern war. Dann stockte es. Zu dem Zeitpunkt wurde nochmal am Algorithmus Rad gedreht. Ab jetzt hätte ich noch mehr Relevanz produzieren müssen. Noch so ein Begriff, den man im Zusammenhang mit Instagram kennen muß. Denn Relevanz erzeuge ich durch die oben genannten Kriterien. Ein Unternehmen das sich eben mal ein Account anlegt und nur hin und wieder was postet ist entweder von sich aus ein „honeypot“, oder das Profil geht einfach unter. Nein, es muß jemanden geben, der sich dauerhaft und Relevanz-erzeugend kümmert. Ich selbst verliere eher das Interesse wenn eine App so um meine Aufmerksamkeit buhlt und mich geradezu zwingt involviert zu sein.

Ich überlege es jetzt schlichtweg zu lassen. Been there, done that. Auf der anderen Seite weckt es natürlich meine Nerd-Ader. Instagram hat eine API, also ein Interface mit der es von außen ansprechbar ist. Hauptsächlich um den Content an anderen Stellen einbinden zu können. Zum Beispiel binde ich meinen Feed hier auf dem Blog ein. Dieser Eingang lädt natürlich dazu ein damit zu spielen. Welche Möglichkeiten bietet die API zum Beispiel auf Relevanz Einfluß zu nehmen? Ich werde dem auf den Grund gehen….

Und hat wer eine Idee was wir als nächstes ausprobieren wollen? Ich wäre offen für was Neues. Oder?

Industrialisierung 4.0

Allen ist klar, daß wir vor großen Umbrüchen stehen, daß diese schon an die Tür klopfen und schon statt finden. Gesellschaft verändert sich, ein Epoche geht zu Ende und wir müssen das Neue gestalten. Doch wenig deutet darauf hin, daß wir diesem Umbruch eine Vision entgegensetzen wollen. Statt dessen bricht sich Angst die Bahnen, direkt in das Herz der Menschen.
Auf dem Weg in jede neue Epoche hat sich dieses Gefühl breit gemacht. Dieses diffuse Angstgefühl dem Neuen nicht gewachsen zu sein. Zur Industrialisierung, nach dem Kaiserreich oder der Aufklärung. Die Folgen waren Zusammenbrüche, zum Beispiel zur Zeit der Weimarer Republik. Auch jetzt scheint es so, als steuerten wir auf solche Zusammenbrüche zu. Mit dem Unterschied, daß wir mehr wissen und die Möglichkeit hätten zu antizipieren. Die Oxford-Studie über die Zukunft der Arbeit sagt, daß in Europa in zirka 20 Jahren etwa die Hälfte der Bevölkerung keine Arbeit mehr hat. Gründe dafür sind unter Anderem die fortschreitende Industrialisierung 4.0, also die Übernahme immer mehr Arbeiten durch Automatisierung. Zum Beispiel in der Logistikbranche durch ausgereiftere Roboter oder etliche Arbeitsstellen im Finanzbereich, die durch Algorithmen ersetzt werden. Die Liste ist sehr lang. Es gibt Studien, die behaupten, daß etwa 20% der Bevölkerung in Zukunft ausreichen könnten, die Weltwirtschaft aufrecht zu erhalten. Wenn man also auch nur in die Nähe dieser Zahlen kommt, wo bleibt der Rest?

Was macht man mit diesen Menschen? Es hilft nichts, wir brauchen Utopien, Vorschläge für eine Gesellschaft der Zukunft. Eine Vision, die die Menschen auffängt und sie in ein neues Zeitalter führt. Die Alternative ist die Flucht in radikale Systeme. Haben wir alles schon gesehen, kann niemand ernsthaft wollen. Irgendjemand Antworten?

Vielleicht diese hier: Bedingungsloses Grundeinkommen, Gesellschaftsdienst, Bildung, Maschinensteuer, Kommunale Vernetzung, Schwarmintelligenz verstehen, Schulen mit Medienkompetenz und noch ein paar andere…

Ich versuche in nächster Zeit mal diese und damit zusammenhängende Themen aufzuarbeiten. Dies soll eine Einführung in das Thema sein. Grüße aus dem Elfenbeinturm.

Holocene

Warum ich Bon Iver so liebe? Der Versuch einer Liebeserklärung anhand eines Beispieles. Vorsicht, es wird ein wenig nerdy.
Eines meiner Lieblingslieder von Justin Vernon ist „holocene“. Er ist ein Meister darin Stimmungen zu erzeugen. Stimmungen, die ein ganzes Lied tragen, den Inhalt des Textes unterstreichen und die Instrumente diesen Gefühlen unterzuordnen. Er malt damit, benutzt sie bewusst um Dynamiken zu erzeugen. Den Instrumenten wird eine andere Rolle zugewiesen als in 98% der modernen Musik. Er versteht es, Entwicklungen aufzugreifen und sie in seine Kleinoden einzuarbeiten. Sein erstes Album war ein Folkalbum, getragen allein von dem Ende einer Beziehung und deren „ausschwitzen“ in musikalischer Form. Schon mit dem zweiten Album öffnet er sich und bindet orchestrales ein, „22, a million“ dann dieses Jahr integriert Elektro. Stets aber mit seiner Vision, stets im Kontext und dem Song dienend.
„holocene“, und jetzt kommt Songwritingtheorie, ist aufgebaut wie ein Standardsong aussehen könnte. Intro – Verse/Chorus1 – Verse/Chorus2 – Verse/Chorus3. Und trotzdem werden im Detail Techniken verwandt, die anders sind als sonst. Das Intro wird bestimmt durch 2 Akkustik-Gitarren, die ein Zupfmuster entgegengesetzt vor und zurück spielen und dabei im Stereobild ebenfalls entgegengesetzt hin und her gepanned werden. Vernon erzeugt dabei etwas, was eigentlich desorientierend wirken sollte, dabei erzeugt es aber eine warme Wohlfühlstimmung.

„Some way, baby, it’s part of me, apart from me“

Vernon erreicht damit, daß wir nicht mehr die Instrumente wahrnehmen, sondern den Song als ein eben solches. „holocene“, also das Holozän, die Epoche, in der die Menschheit die für sie wichtigsten Errungenschaften entdeckt und erfindet, ist gleichzeitig eine Bar in Portland/Oregon in der er einen sehr schlechten Abend verbringt, wie er mal in einem Interview erzählt hat. Er lenkt uns mit dem Intro direkt in seine emotionale Lage damals.

„You fucked it friend, it’s on its head, it struck the street.“

Die Emotionen erzeugen durch die Musik gleich einem Resonator, sich ineinander bewegende Wellen. Er steigert diese im Verlauf mit dem hinzufügen von weiteren Instrumenten. Einem Piano, einem Glockenspiel, einer Snare, Handclaps und Trompete. Diese Instrumente werden weit hinten im Klangbild eingesetzt, wieder zur Erzeugung von Stimmung. Eine Trompete trägt in der Regel eine Melodie, hier wird sie für die Fläche eingesetzt. Ein bewusster Schritt in die Tiefe.
Den Höhepunkt erreicht der Song mit dem letzten Refrain. Er erreicht ihn durch die Instrumentierung, zum Beispiel das Schlagzeug mit seinen aus dem Hintergrund treibenden Snarewirbeln und dem Einsatz jetzt aller vorher eingeflochtenden Instrumente, als auch der Zusammenführung aller Textbausteine zu der einen Erinnerung, der Erkenntnis, dem persönlichen Scheitern.

„Third and lake, it burnt away, the hallway..“
„Now to know it in my memory
And at once I knew I was not magnificent“

Zu Scheitern hörbar machen, darum geht es in dem Song. Er verpackt das große Bild in ein kleines. So wie es schon andere Meister vor ihm gemacht haben. Umhüllt von einer Stimmung, die den Gedanken ein Rahmen bietet. Viele kleine Anspielungen auf kleine Beobachtungen, die dem Prisma Erinnerung eine Plattform bieten und sie zu etwas größerem formen. Vernon geht den einen Schritt weiter als viele der anderen Singer/Songwriter. Er bettet seine Songs in einen übergeordneten Kontext, arbeitet vielschichtiger und erreicht dadurch die Tiefe, die Kunst von Gebrauchsmusik unterscheidet.

Danke. Großes Gefühlskino.

„Memory commits you to the nuance; the fog. If you act on memory you commit yourself on the basis of echoes: unpredictable, faint, fading even as they were generated. No basis on which to inch out across your life, and yet all you have.“ — THE M JOHN HARRISON BLOG