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Industrialisierung 4.0

Allen ist klar, daß wir vor großen Umbrüchen stehen, daß diese schon an die Tür klopfen und schon statt finden. Gesellschaft verändert sich, ein Epoche geht zu Ende und wir müssen das Neue gestalten. Doch wenig deutet darauf hin, daß wir diesem Umbruch eine Vision entgegensetzen wollen. Statt dessen bricht sich Angst die Bahnen, direkt in das Herz der Menschen.
Auf dem Weg in jede neue Epoche hat sich dieses Gefühl breit gemacht. Dieses diffuse Angstgefühl dem Neuen nicht gewachsen zu sein. Zur Industrialisierung, nach dem Kaiserreich oder der Aufklärung. Die Folgen waren Zusammenbrüche, zum Beispiel zur Zeit der Weimarer Republik. Auch jetzt scheint es so, als steuerten wir auf solche Zusammenbrüche zu. Mit dem Unterschied, daß wir mehr wissen und die Möglichkeit hätten zu antizipieren. Die Oxford-Studie über die Zukunft der Arbeit sagt, daß in Europa in zirka 20 Jahren etwa die Hälfte der Bevölkerung keine Arbeit mehr hat. Gründe dafür sind unter Anderem die fortschreitende Industrialisierung 4.0, also die Übernahme immer mehr Arbeiten durch Automatisierung. Zum Beispiel in der Logistikbranche durch ausgereiftere Roboter oder etliche Arbeitsstellen im Finanzbereich, die durch Algorithmen ersetzt werden. Die Liste ist sehr lang. Es gibt Studien, die behaupten, daß etwa 20% der Bevölkerung in Zukunft ausreichen könnten, die Weltwirtschaft aufrecht zu erhalten. Wenn man also auch nur in die Nähe dieser Zahlen kommt, wo bleibt der Rest?

Was macht man mit diesen Menschen? Es hilft nichts, wir brauchen Utopien, Vorschläge für eine Gesellschaft der Zukunft. Eine Vision, die die Menschen auffängt und sie in ein neues Zeitalter führt. Die Alternative ist die Flucht in radikale Systeme. Haben wir alles schon gesehen, kann niemand ernsthaft wollen. Irgendjemand Antworten?

Vielleicht diese hier: Bedingungsloses Grundeinkommen, Gesellschaftsdienst, Bildung, Maschinensteuer, Kommunale Vernetzung, Schwarmintelligenz verstehen, Schulen mit Medienkompetenz und noch ein paar andere…

Ich versuche in nächster Zeit mal diese und damit zusammenhängende Themen aufzuarbeiten. Dies soll eine Einführung in das Thema sein. Grüße aus dem Elfenbeinturm.

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Wohin?

Auf meiner Suche nach Antworten stoße ich immer wieder auf Menschen, die mir Sachverhalte erklären können. Ich finde Beiträge, die mich weiter bringen, in mir einen Gedanken auslösen, der für mich zu diesem Zeitpunkt Sinn macht und vielleicht eine Entwicklung in mir in Gang setzt. Ich sage bewusst zu diesem „Zeitpunkt“, denn diese Dinge verändern sich sehr schnell. Durch gesellschaftliche oder ganz private Veränderungen ist man gezwungen seinen Standpunkt zu wechseln. Das ist dann auch richtig und wichtig. Eine Diskussion, die ich daher nicht verstehe, ist die, in der zum Beispiel Politikern vorgeworfen wird, eine Wende in der Sichtweise auf ein Thema vollzogen zu haben. Ja, warum denn nicht?! Das macht eine Person eben nicht inkonsistent, kann im Gegenteil ein Zeichen von Intelligenz sein. Politiker, die nur aus einer Agenda heraus handeln und ihre Sichtweisen nicht anpassen können, sind keine guten Politiker.
Manchmal gehen diese Erklärer. Wenn sie sich in eine Sackgasse begeben und mono thematisch werden. Oder wenn sie einfach von uns gehen, so wie Roger Willemsen. Habe ich noch nicht verwunden. Die meisten seiner Beiträge fand ich so erhellend, daß wenn er eine Religion gegründet hätte, ich erster Jünger geworden wäre. Aber dafür war er zu klug und ich nicht Macht-affin genug. Ein Beispiel voller wichtiger Gedanken:

Habe ich schon gepostet, bei verschiedenen Gelegenheiten. Schaue ich mir aber immer wieder an und finde immer eine Idee zum dran festhalten. Aber Willemsen ist für neue Entwicklungen halt keine Option mehr, aus offensichtlich Gründen.
Ich stelle mir eine Frage in letzter Zeit. Wenn alles immer komplexer und undurchschaubarer wird, und damit Entscheidungen über handelsweisen immer schwieriger zu treffen sind, wie verhindern wir das unvermeidliche Chaos? Und was, wenn das alles nur gefühlt ist? Gerade im Internet leben wir in Content-Blasen. Wir folgen unseren Interessen und verlieren dadurch umso mehr den wichtigen Blick auf das Ganze. Je mehr ich mich auf die eine Theorie stürze, desto mehr werde ich in diesen Strudel reingezogen. Dabei möchte ich garnicht einseitig über etwas denken, vielleicht versuche ich manchmal aus soziologischer, manchmal aus gehirnphysioligischer oder irgend einer anderen Sicht Erklärungsversuche anzunehmen, nicht jedoch auf Meinungsmacher reinzufallen. Und dazu tendiert man in der Content-Filter-Bubble. Auf Facebook stelle ich mir mit meinen „Gefällt mir“-Urteilen meine eigene Welt zusammen, erst wissentlich, später verliert man den Überblick. Ich lese und sehe fast nur noch, was ich lesen möchte. Da fehlt der Impuls von draußen. Dieser Impuls ist für die Entwicklung in einem sich anpassenden, lebenden System unabdingbar.
Ich interessiere mich für Schulentwicklung. Im Zuge von Recherchen zu diesem Thema, bin ich auf Professor Gerald Hüther gestoßen. Bald habe ich ihn als Erklärer für mich entdeckt, da er als Gehirnforscher stets Entwicklungen und mögliche Anpassungen in seine Sichtweisen einschließt. Folgender Beitrag hat mit Mut gemacht:

Ich verstehe das Setting nicht genau. Da ist von einem Think-Tank die Rede, da muß man immer gleich an Verschwörungstheorien denken. Soll mir gerade mal egal sein. Wichtig ist, was er in dieser kurzen Rede zu sagen versucht. Wir, unsere Gesellschaft, hat alle Möglichkeiten sich anzupassen, neue Modelle zu entwickeln. Trotz Digitalisierung, trotz Automatisierung. Denn Anpassung liegt in unseren Genen. Er geht gelassen um, mit diesen für viele bedrohlich wirkenden Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Ich habe einige dieser Phänomene vor kurzem beschrieben. Ehrlich gesagt brauche ich das jetzt. Ich will mich nicht weiter verrückt machen lassen, durch eine Medienlandschaft, die sich durch jeden noch so unwichtigen Beitrag der AfD sofort triggern läßt und dadurch die Partei größer macht als sie ist. Die Meinungen und Strömungen in der Gesellschaft sind mittlerweile so ausdifferenziert, daß ein klarer Mainstream eigentlich nicht mehr die Meinungshoheit übernehmen kann. Es sei denn, wir heben die lauteste Meinung in den Vordergrund, vergessen aber dabei, daß das nicht die Mehrheit ist, sondern nur das durch äußere Einflüsse begünstigte Angebot einer zu einfachen Lösung für fehlende Antworten auf eine wichtige Frage in unserer Gesellschaft: Wie wollen wir in Zukunft leben? Wollen wir weiter Angst haben oder anfangen zu gestalten? Denn wir haben einen festen Zustand verlassen, das prosperierende Nachkriegsdeutschland auf dem Weg in die digitale Netzwerkgesellschaft. Und der Weg zum nächsten festen Zustand ist voller loser Stränge. Da kann eben auch an den falschen Strängen gezogen werden. Aber eben auch an den richtigen. Und warum sollte das auch nicht passieren?!

„Das beste in der Welt sind wir Menschen und das schlechteste der Welt sind wir auch“ Freue mich auf das Maeckes-Album 🙂

objektive Subjekte

Descartes hat die Dinge in Subjekte und Objekte unterschieden. Ein Subjekt denkt und handelt, ein Objekt existiert und es wird be-handelt. Simone de Beauvoir hat beschrieben, wie Frauen durch Männer zum Objekt gemacht wurden, zum Gegenstand über den man bestimmen kann. Die vierte Welle des Feminismus versucht immer noch die Welt davon zu befreien. Ich habe mich immer gefragt, ob wir die Wahl haben uns von dem Wechselspiel zwischen Subjekt und Objekt nachhaltig zu befreien. Denn wir wechseln alle zwischen diesen beiden Zuständen. Auf der Arbeit, zum Beispiel in einem großen Unternehmen, sind wir Humankapital. Auf diesem Blog, in diesem Beitrag könnte ich gestalten, Ideen verbreiten, aktiv sein.
In unserer Gesellschaft wird dies zusehends ein Problem. Die Bevölkerung wird immer weiter gespalten, in die, die teilhaben können an dem wirtschaftlichen Erfolg, handeln können, und die, die zurückgelassen werden, also bei Mindestlohn zum Objekt gemacht werden. Da werden Eigenschaften von Systemen sichtbar, die Gruppen von Menschen versklavt oder ausgebeutet haben. Diese Systeme haben den Gruppen systematisch die Eigenschaften des Subjektes abgesprochen, ihnen verwehrt. Wirtschaftsunternehmen, die Angestellte als operative Faktoren einsetzen, objektivieren diese, pressen das Maximum an Output aus ihnen raus.
In der „Stanford Encyclopedia of Philosophy“ findet man eine Liste von 7 Möglichkeiten Menschen zu objektivieren. Auf der Seite geht es um weibliche Objektivierung, die Kriterien gelten aber meiner Meinung nach für alle Versuche Menschen zu unterdrücken. Die Liste bildet also eine Blaupause für die Ziele angehender Diktatoren und Systemgestalter.

„1. instrumentality: the treatment of a person as a tool for the objectifier’s purposes;
2. denial of autonomy: the treatment of a person as lacking in autonomy and self-determination;
3. inertness: the treatment of a person as lacking in agency, and perhaps also in activity;
4. fungibility: the treatment of a person as interchangeable with other objects;
5. violability: the treatment of a person as lacking in boundary-integrity;
6. ownership: the treatment of a person as something that is owned by another (can be bought or sold);
7. denial of subjectivity: the treatment of a person as something whose experiences and feelings (if any) need not be taken into account.“

Diese Regeln findet man tagtäglich in unserer Gesellschaft. Also zurück zur Frage. Können wir uns davon befreien? Als erstes braucht es wohl den Willen sich von diesen Verhältnissen zu befreien. Wie bringe ich Menschen effektiv bei ein Subjekt zu sein? Ein Subjekt zu sein bedeutet Aufwand, Aktionen benötigen Energie, der Wille diese freizusetzen muß geweckt werden. Es muß ein Anreiz vorhanden sein. Wir alle tendieren dazu den Aufwand zu scheuen wenn der zu überwindende Widerstand zu groß ist. In einer immer komplexer erscheinenden Welt, ist es ein Leichtes, drängende Fragen mit einfachen Antworten erwidern zu wollen. Der Populismus greift in vielen Ländern dieser Welt um sich. Sei es Trump in den USA , oder die AfD in Deutschland. Doch wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, diese einfachen Antworten werden die Fragen nicht beantworten, geschweige denn eine Lösung herbeiführen.
Also, wer hat die Antwort? Wie werden wir zu Subjekten in einer durch Netze geprägten neuen Gesellschaftsform? Im Moment scheint es jedenfalls mehr Bremser als Entwickler von positiven Formen des Zusammenlebens zu geben. Ich möchte mit Wolfgang Herrndorf enden, in „Arbeit und Struktur“ bringt er es auf den Punkt:

„27.7. 2012 10:49
Das Unangenehme an dieser ganzen Beschneidungsdebatte schon wieder, daß es genau wie beim Frauenwahlrecht, dem Schwulenparagraphen, dem Rauchverbot, der Sterbehilfe oder der Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen eine von Anfang an klar erkennbare Position der Vernunft gibt, die sich am Ende auch durchsetzt. Was von der Querulantenfraktion Monate, Jahre oder Jahrzehnte verzögert, aber niemals verhindert werden kann. Es ist ermüdend.“

Netzwerkgesellschaft

Der Bundestrojaner wird immer häufiger eingesetzt. Occupy Wall Street nutzt Messenger zum organisieren von Widerstand. Soziale Netzwerke, Micro-Blogging, Display Advertising, Microsites, Mobiles Marketing, Virals & Seeding. Fragmente sich in die Gesellschaft einschleichender Netzwerke. Verhalten und Erwartungen der Nutzer ändern sich seit Jahren stetig. Das Netz war Medium für Transaktionen, ein Einkauf. Jetzt ist es zum Teil der eigenen Persönlichkeit geworden. Digitale Netzwerke bilden reale Netzwerke ab. Sender und Empfänger sind nicht mehr auseinander zu halten. Und das ist die eigentlich Sensation. Wir können die Quelle sein, nicht mehr nur eine übergeordnete Stelle.
Halten wir fest, die Netzwerke sind tief in unsere Gesellschaft eingedrungen, wir wissen nur noch nicht, was es bedeutet. Wir müssen eine neue Gesellschaft definieren. Und keiner weiß wie. Die Verunsicherung ist überall zu spüren. Ein Teil der Menschen flüchtet in einfache Antworten, die AfD liegt im Moment bei 20% in den Umfragen, das auch noch bundesweit. Der andere Teil stellt Fragen und weiß nicht so richtig.
Diese Unsicherheit zieht sich durch fast alle Bereiche des Lebens. Da ich eine 10-jährige Tochter und einen 12-jährigen Sohn habe, interessiere ich mich für das Thema Schule. Denn Schule ist Gesellschaft. Alle Grundlagen werden hier gelegt, alle Bewegungen werden hier abgebildet. Schule muß Antworten haben auf alle Entwicklungen in der Gesellschaft, denn sie kann nicht ausweichen. Schule muß auch eine Antwort auf die Netzwerkgesellschaft finden. Als Schulelternbeirat und IT’ler merke ich immer wieder, der Weg ist noch lang und noch haben die „Erhalter“ die Überhand. An der Gemeinschaftsschule meines Sohnes besagt die Handyregelung, daß keine Handys benutzt werden dürfen. Es sollen keine Smombies in der Schule rumlaufen. Was auf den ersten Blick Sinn macht, ist aus Soziologischer Sicht ein Versuch der Verdrängung der Netzwerkgesellschaft aus der Schulrealität. Wir haben keine Antwort, also ignorieren wir das Netz und tuhen so, als ob es die neue Gesellschaftsform nicht gibt. Die Angst vor dem Unbekannten übernimmt die Führung.
Eines muß jedoch klar sein, neue Medien sind in der Soziologie zur vierten Sozialisationsform aufgestiegen. Neben der Familie, der Schule und den Peers übernimmt das Netzwerk einen wichtigen Teil des Erwachsenwerdens. Von unserem Schulsystem wird dieser Fakt völlig außen vor gelassen. Es gibt keine Konzepte dafür. Digital vernetzte Medien sind längst zur Kulturtechnik geworden, in einer Reihe mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Weite Teile der Schullandschaft ignorieren auch diese Entwicklung. Was also tun?
Ein einbeziehen der neuen Medien als Kulturtechnik, als Sozialisierungsinstanz, als Gesellschaftsform hieße dementsprechend: Schulentwicklung! Medienbildung ist Schulentwicklungsprozess. Jede Schule muß sich auf den Weg machen. Vorschläge gefällig?

– Auswählen und Nutzen von Medienangeboten
– Eigenes Gestalten und Verbreiten von Medienprodukten
– Verstehen und Bewerten von Medienprodukten und ­‐angeboten
– Erkennen und Aufarbeiten der Wirkungen von Medien auf alle Lebensbereiche und den Menschen
– Es bedarf eines Schulfaches »Medienbildung«
– Es bedarf neuartiger (verbindlicher) Fortbildungskonzepte und ­‐formate für Lehrerinnen und Lehrer
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Ich wäre dann soweit anzufangen. Wer kommt mit?

Gerald Hüther: Schule und Gesellschaft

Gerald Hüther: Wieso die Schulen versagen

Quelle: u.a. MediaMatters! Christian Filk, Europa Universität Flensburg

Neue Medien

„Ihr sehnt euch, nicht nacheinander, denn ihr seid ja da, ihr sehnt euch über einander hinaus, aber gemeinsam.“ Max Frisch – Mein Name sei Gantenbein

Böhmermann hat auch mich zum nachdenken gebracht. Der Vorgang selbst hat mich allerdings nicht lange beschäftigt. Wer Böhmermann kennt, der weiß, daß er sich selbst schön als Schöffe am Gericht verdient gemacht hat. Ihn interessiert Recht, er glaubt an Staat und Rechtlichkeit. Daran, daß Dinge schief gehen, aber man in Deutschland Instanzen hat, die Dinge wieder zurecht rücken können. Selbst das ironisch gemeinte „Isch hab Polizei“ schlug in diese Kerbe. Einen rechtsfreien Raum gibt es in Deutschland nur so lange, bis man die Instanzen bemüht und sich damit Hilfe holt. Ein Grundvertrauen ist da, bei allen Fehlern die, natürlich auch hier, passieren. Ein „Bonding“ zwischen Mutter Deutschland und Böhmermann hat stattgefunden, da bin ich mir sicher.
Gleichzeitig seine Haßliebe zur deutschen Medienlandschaft. Durch sie und mit ihr aufgewachsen, spielt deutsche Unterhaltung immer wieder eine wichtige Rolle im Neo Magazin Royale. Als Liebesbeweis und zur Abgrenzung gleichzeitig. So war das Schmähgedicht als eine Abgrenzung zur Formatstarre des Erdogan-Extra 3-Beitrages und natürlich als Entrüstung über die Einmischung der Türkei in Fragen der Meinungsfreiheit zu sehen. Zeigen, daß ein Land zu weit geht und das andere Medien noch viel zu wenig Haltung dem gegenüber gezeigt haben. Die vielen Jahre Merkel haben uns ihr angenähert. Haltung scheint auf ihrer Prioritätenliste nicht allzu weit oben zu stehen. Darauf folgt was eben gefolgt ist. Ein Sturm in den Medien, allerdings nicht unbedingt in die richtige Richtung. Die Regierung versucht das Thema wie immer wegzuverwalten, die eigentliche Kritik geht unter. 85 Milliardäre besitzen soviel wie die 3,5 Millionen ärmsten Menschen der Welt. Die Menschen mögen aber nicht, daß Flüchtlinge Handys besitzen. Ich sag’s nur.

Was macht Böhmermann daraus? Es gibt noch 1 Show nach dem Skandal. Die zweite Hälfte dieser Folge lässt mich erst fragend zurück, aber langsam beginne ich zu verstehen. Diese letzten gesendeten 15 Minuten zerfallen komplett in Unterhaltungsfragmente, in dadaistisch anmutenden TV-Kubismus. Ein Ausdruck der Überforderung, der Überfrachtung mit einer Flut aus Informationen. Linearität wird hier als Zeichen der Verunsicherung über Werteveränderung aufgehoben. Und Werte verändern sich gerade rasant. Maler hatten bis zur Erfindung der Fotografie kein großes Verlangen die Dinge stark zu verfremden. Warum auch? Sie waren dazu da, Realität abzubilden. Mit den ersten Fotos änderte sich das. Erst jetzt konnten neue Kunstformen als Reaktion darauf entstehen. Picasso wäre vorher nur schwer denkbar gewesen.
Im Journalismus verläuft die Entwicklung ähnlich. Wer früher Informationen wollte, war angewiesen auf die gängigen Medien, nur diese hatten die Möglichkeit eine Beschreibung der Realität anzubieten. Mit der Verbreitung des Internets kann jeder seine Version der Realität verbreiten. Das führt zu einen Grad der Fragmentierung von Realitäten, der die meisten Menschen schlichtweg überfordert. Es erfordert für jedes neue Geschehnis eine eigene Bewertung. Die Geschwindigkeit der Informationsverteilung zwingt uns zudem zur Positionierung innerhalb komplexer Systeme. Ein Mechanismus der der Überforderung weiter Vorschub leistet. Viele warten dadurch auf einfache Antworten. Einfache Antworten die es nicht mehr gibt. Die enorm gestiegene Komplexität innerhalb der gesellschaftlich und medialen Vernetzung hat die Menschen nicht mitgenommen. Der Journalismus hält nicht mehr mit, mit den Live-Videos von ertrinkenden Flüchtlingen und den schrecklichen Tweets aus dem Donbass.
Wo geht es also hin? Im Moment scheinen uns eher Satiriker die Welt zu erklären als Claus Kleber. Böhmermanns „Stückwerk“ kommt der Realität einfach näher als alle gängigen Nachrichtenformate. Sein Flickenteppich ist eine Darstellung der Wirklichkeit, derer wir uns annähern sollten. Wir werden ihr nicht entfliehen können. Böhmermann konnte das auch nicht. Er ist mit seinem Gedicht in etwas verwickelt worden, was er nicht mehr kontrollieren kann. Vielleicht ist er doch wichtiger als er denkt, er stellt sich gerne als Hofnarr ohne Verantwortung dar. Aber manche werden durch die Geschichte in andere Rollen gedrängt. Fragt mich nochmal in 10 Jahren. Einfache Lösungen, das war mal. Wer eine Technik zur Annäherung hat, der informiert mich bitte. Ich sehne mich nach einer Antwort, vielleicht einer gemeinsamen.

Zum Thema kommunikative Macht in Netzen noch etwas Hintergrundwissen:

Russell Brand

Eine Person, die mich anzieht, braucht Ecken und Kanten und ist vielseitig. Auf Russell Brand trifft das zu, das wurde mir schnell klar. Erst habe ich ihn für einen Clown gehalten. Was erstmal nicht falsch ist, ich habe durchaus Sympathien für einen guten Clown. Er ist ein Dampfplauderer, soviel steht mal fest. Außerdem Schauspieler und politischer Aktivist lese ich auf Wikipedia.
Politischer Aktivist? Die ersten Videos die ich gesehen habe, zeigen ihn als wortgewandten Entertainer. Wenn man den einlädt in seine Show, braucht man keine Sorge zu tragen, daß das Gespräch verflacht oder es langweilig wird. Er redet und redet und redet. Und das so eloquent, daß es eine wahre Freude ist, ihm einfach nur zuzuhören. Ich gebe hier ein sehr aktuelles Beispiel aus der Jimmy Fallon Show vom 18.11.:

Jimmy Fallon, der ansonsten ebenfalls sehr eloquente und vor Ideen sprühende Moderator, geht bei diesem Spiel unter. Ein selten gesehenes Bild.

Wenn man aber den YouTube-Links folgt, wird schnall klar, da ist eine andere Seite. Brand ist nicht nur Entertainer, er hat Meinungen. Und zwar zu fast allen Themen. Auf seinem Kanal finde man eine große Anzahl von Videos die größtenteils aus Statements zu allen aktuellen Themen in Politik und Gesellschaft bestehen. Erst fällt es schwer in seinen Redetiraden die Botschaft rauszufiltern. Aber man, he knows his shit! Da spricht nicht nur jemand aus Entertainment-Gründen, da hat jemand Hintergrundwissen und erklärt schwierige Sachverhalte und Fragen zu Ethik und Gesellschaft. 2 Beispiele:

Gerade hier in den 2ten Video nimmt er amerikanische Berichterstattung über den Israel-Palästina Konflikt in einer Art und Weise auseinander, die klar macht, wie sehr er sich mit dem Konflikt beschäftigt hat und die Hintergründe verstanden hat. Er betreibt Aufklärung und das in vielen, vielen Beiträgen.
Ich werde das Gefühl nicht los, das der Mann wichtig ist. Gerade im englisch-sprachigen Raum ist er zu einer wichtigen Institution geworden, um sich jenseits der Leitmedien Gedanken zu machen und hilft die Sachverhalte und Abhängigkeiten zu verstehen. Man darf sich nicht von seinem Äußeren, seinem Image oder seiner Art zu reden fehl leiten lassen. Da spricht jemand, der wichtig ist um sensible Themen in die Öffentlichkeit zu bringen und damit auch Diskussionen zu starten, die längst überfällig sind.
Ich folge dir Russell. Und mach weiter so, du bist wichtig!

Große Koalition

Es gibt so viele Gründe warum das nicht richtig ist. Wer meinen Blog verfolgt hat, weiß wo ich stehe. Aber lasst uns Objektiv sein, soweit es eben möglich ist. Eine große Koalition, was bedeutet das eigentlich? Vor der Wahl hieß es bei der SPD: „Wir wollen den Politikwechsel!“ Unter dieser Prämisse sollte alles folgende stehen. Schon vor der Wahl war klar, daß dieses Ziel gar nicht einzuhalten war. Man hatte eifrig eine Koalition mit der Linken ausgeschlossen, also war eine Verbindung jenseits der Christdemokraten rechnerisch unmöglich. So sehr konnten die Meinungsforscher nicht daneben liegen. Ein Schelm, der nun denkt, daß das auch der Parteiführung klar war. Sigipop dealt also mit Peer, du opferst dich als Kanzlerkandidat ohne Chance und wirst dafür sicher gut entlohnt, und ich bin danach der Architekt einer großen Koalition zusammen mit Angela. Er muss gewußt haben, daß ein Politikwechsel dadurch unmöglich wird. Jetz wird gerade mal darüber verhandelt, ob 40 bis 45% der eigenen Ziele vielleicht verwirklicht werden können. Darunter Dinge wie der Mindestlohn. Einem Ziel, daß der CDU aufgrund des öffentlichen Druckes kaum ausweichen kann wenn sie eine Koalition eingehen muß.
Die SPD verkauft sich also. Verrät die eigenen Ziele und versucht das Gesicht zu wahren. Das alles für was eigentlich? Das die Ausschließeritis nicht klug war, hat man gestern auf dem Bundesparteitag versucht wieder glatt zu bügeln. Man hat sich das Hintertürchen wieder auf gemacht für eine Koalition mit der Linkspartei ab 2017. Doch den Politikwechsel braucht dieses Land schon jetzt! Sicher, wir sind nicht wirklich in Gefahr unseren Status die nächsten 4 Jahre zu verlieren, aber es könnte besser sein, sozialer, zukunftsträchtiger sein. Die jetzige Politik bringt so viele Verlierer.
Ich mache mir Sorgen über die Opposition. Sie ist numerisch so klein, daß sie nicht alle demokratischen Rechte einer Opposition hat. Sie kann zum Beispiel keine Untersuchungsausschüsse beantragen. Sowas kann nicht gut für eine Demokratie sein.
Ich mache mir Sorgen über Europa. Merkel wird ihre Austeritätspolitik fortsetzen wollen. Die Griechen werden weiter ausbluten und hier in Deutschland wird man sich weiterhin der Illusion hingeben, man könne ab 2015 keine Neuschulden mehr mache,n ohne viele Ziele aus dem Koalitionsvertrag die unter Finanzierungsvorbehalt stehen, dann doch zu kippen.
Ich mache mir Sorgen über unsere Grundrechte. Wie lange dürfen denn die Amerikaner, Briten oder Australier noch unseren Datenverkehr kontrollieren. Gerade die NSA hat es immer noch nicht verstanden. DIe haben gerade Gesetze gefordert, die es Whistleblowern noch schwieriger machen sollen, mit Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen. Da wird auf unsere Rechte getreten, und die Regierung sieht dabei zu.

Wenn ihr ein kleines Zeichen setzen wollt, dann schaut doch mal hier rein. Ihr opfert 1 Minute eurer Zeit und bekundet, daß ihr dagegen seid. Wider die große Koaltion! Die Masse an Stimmen macht es und es sind schon viele.
Ein Auszug:
„Eine Große Koalition stellt keine unterschiedlichen Konzepte zur Wahl, sie stellt die Kaste der Politiker den Wählern gegenüber. So verhindert die SPD jetzt und in nächster Zukunft ein Bündnis linker und alternativer Parteien und Bewegungen. Wieder wird die Mehrheit links von der Mitte nicht genutzt.
Die Große Koalition schwächt nicht nur die demokratische Debatte und damit das Vertrauen in die Korrigierbarkeit und Offenheit demokratischer Prozesse, sie lässt auch den Wunsch der Mehrheit nach einer politischen Alternative ohne Adresse und ohne Antwort. Wenn der SPD die Courage fehlt, die Führung zu übernehmen, sollte sie in die Opposition gehen und sich von Grund auf erneuern.“
Gegen das verwalten des Status Quo, für das gestalten der Zukunft, keine große Koalition!