Jugend

Jugend

Kevin Kühnert und seine #nogroko–Initiative wird von den Älteren nicht ernst genommen. Wenn er auf dem SPD-Parteitag seine wirklich guten Argumente gegen eine weitere große Koalition vorträgt und dafür vehement eintritt, dann schreibt ihn eine ganze Horde von älteren Journalisten und Politikern klein. Schnell wird vergessen, daß er eine Organisation mit ca. 70000 Mitgliedern führt und schon sehr lang in der Politik aktiv ist. Warum ist das so?

Ich habe mir Gedanke dazu gemacht und bin mir sicher, daß wir beginnen den Wandel in der Arbeitswelt hin zur Industrialisierung 4.0 massiv zu spüren. Die Ziele im Laufe eines Arbeitslebens ändern sich gerade stark. Menschen, die vor 1980 geboren worden sind, hatten ihren Fokus auf Sicherheit in ihren Arbeitsverhältnissen. Danach Geborene wollten Arbeit, Familie und Freizeit miteinander in Einklang bringen. Man organisiert die Arbeit um sein Leben herum. Das war vorher anders. Die vorherigen Generationen haben zusehends Schwierigkeiten mit der Verschiebung des Schwerpunktes. Sie sehen darin geradezu einen Affront und ein in Frage stellen ihres Lebensentwurfes. Dieses aktuelle Generation nimmt die Entwicklung in der Industrialisierung 4.0 vorweg. Durch den Einsatz von Algorithmen und Automatisierung in fast allen industriellen Bereichen fallen viele Arbeitsstellen weg und der Fokus vieler Menschen muß sich zwangsweise verlagern. Durch viele neue hoch spezialisierte Jobs wird Selbständigkeit zunehmen. Damit ein geht eine völlig neue Art Arbeit zu organisieren. Die Erfolgssymbole der vorherigen Generationen werden schlichtweg ignoriert. Die jetzige Generation möchte mit ihrer Arbeit etwas bewegen, die Welt mehr gestalten und damit auch verändern. Damit haben die Älteren Schwierigkeiten, es wirkt aufmüpfig, ihnen wird vorgehalten die Realität zu ignorieren. Dabei müssen sie sich nur anpassen, den Weg in die Netzwerkgesellschaft finden. Die Zukunft ist da, nur nicht überall in gleichen Maßen.

Was mir fehlt in der vorherigen Generation ist der Mangel an Interesse für moderne Kommunikation. Es ist klar, daß es Digital Natives einfacher haben, mit Twitter oder Instagram umzugehen. Es ist klar, daß der kaum zu durchdringende Dschungel mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten dem digitalen Sturm der Nachrichten etwas ordnendes entgegensetzen zu können. Das muß man lernen, sich annähern, es als neue Gesellschaftstechnik erkennen. Das ist in der bisherigen Geschichte der Industrialisierung geschehen. Passiert das jetzt nicht, weil die Geschwindigkeit der Entwicklung sich erhöht hat? Ist es die Angst nicht mithalten zu können? Es gibt doch positives an der Entwicklung. Es werden neue Räume in der Freizeitgestaltung geschaffen, das ist doch erstmal nichts Schlechtes. Die Systeme müssen nur darauf angepasst werden. Nur eine klassische Erwerbsbiographie hat bisher Alterssicherheit garantiert. Die neue Generation unterhält dieses System nicht mehr und wir haben noch keine Lösung für diese Veränderung. Lasst uns eine finden!

Ein erster Schritt wäre doch dann, der neuen Generation, die die Netzwerkgesellschaft vermeintlich besser verstehen müsste, zuzuhören. Nur wer versteht kann helfen, etwas Neues zu entwickeln, die Dinge wieder anders zu denken. Ich habe da natürlich noch keine Lösung für, nur das Offenheit gegenüber der Entwicklung absolut notwendig ist. Wer nicht daran interessiert ist, die Generationen weiter auseinander zu dividieren, der darf sich den neuen Ansätzen nicht verschließen, muß einen Schritt auf das Gegenüber zugehen. Noch lässt die regierende Politik- und auch Gesellschaftsgeneration den notwendigen Respekt vermissen. Ich hoffe auf den Wandel. Im Moment ist das ausbremsen von Entwicklungen im Vordergrund. Wenn wir den Anschluß nicht verlieren wollen, muß sich dieses ändern.

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Führung

Die Netzwerkgesellschaft führt uns in einen wirtschaftlichen Prozessmusterwechsel. Auf der einen Seite haben wir stark globalisiert, betreiben Global Sourcing, und auf der anderen Seite haben wir durch das Internet und im Speziellen durch Social Media eine völlig neue Vernetzungsdichte erreicht. Es entstand  in den letzten Jahren eine maximale Zahl an Beteiligten in einem Prozess, dessen Komplexität dadurch enorm anstieg. Diese Systeme haben eine Tendenz zur Nicht-Linearität, sie schaukeln sich auf. Das ist simple Netzwerk-Theorie. Es passieren dann Dinge, die ich nicht vorhersagen kann.

Was bedeutet das also für Führung in einem modernen Unternehmen? Ich habe oft das Gefühl, daß Entscheidungen im Bezug auf Marktentwicklung kaum noch antizipierbar sind  und dadurch viele Maßnahmen im Nachgang kopflos wirken. Es gibt 3 Herausforderungen.

1. Die Komplexitätsfalle: Es gibt jetzt 2 Pole, ein System was immer mehr Komplexität erzeugt und einen immer geringer werdenden Planungshorizont. Führung ist dadurch häufig nicht mehr Richtunggebend. Das wiederum untergräbt die Legitimierung von Führung. Warum bekommst du mehr Geld, wenn du kaum noch Entscheidungen für die Zukunft treffen kannst?

2. Die Machtverschiebung: Kommen wir nochmal zur Theorie von Netzwerken. In Netzwerken ist nicht der Sender das führende Glied, sondern der Empfänger. Probleme werden aufgrund ihrer Komplexität nur noch in einer Gruppe durch Bündelung von Know-How gelöst. Auf diese Art von Vernetzung hat Führung keinen Zugriff, die Macht übernimmt das Netzwerk. Auch dadurch verliert Führung ihre Legitimation.

3. Die Identitätsfrage: Probleme können nicht mehr durch den Einzelnen gelöst werden. Es muß kooperiert werden. Kooperationen finden interdisziplinär statt, entweder horizontal über verschiedene Abteilungen, oder sogar vertikal zwischen verschiedenen Unternehmen. Der organisatorische Unterbau wird dadurch ständig in Frage gestellt und der Identifikationsrahmen aufgelöst. Die Führung verliert auch hier einen weiteren Zugriff durch auflösen der vorher bindenden Struktur. Der Mitarbeiter arbeitet mehr in einer Netzwerkstruktur als in einem Unternehmen und braucht dadurch eine neuen sinnstiftenden Zusammenhang.

Da ist er also, der Paradigmenwechsel. Vor ein paar Jahren waren Führungskräfte dadurch legitimiert, daß sie erfolgreich strukturiert haben, um Effizienz zu steigern. Das neue Netzwerk-basierte System benötigt aber weithin mehr Innovation statt Effizienzsteigerung. Das scheint wenig angekommen zu sein. Immer wieder erlebe ich die gleichen alten Muster in Unternehmen. Was jetzt zählt, ist der Aufbau von Beziehung. Es müssen stabilisierende Wertemuster angeboten werden, die Statthalter werden für die sich auflösenden alten Organisationsmuster. Eine moderne Führungskraft muß also immer wieder dem Mitarbeiter Werte anbieten, die dadurch Identifikation mit dem Unternehmen herstellen. Diese müssen auch ständig verhandelt werden, sie sind nicht festgeschrieben und unterliegen ständigen Veränderungen im System.

Warum kann ich also schlecht Bindung aufbauen zu meinem Job? Ich arbeite in einem Unternehmen, welches alleine in Deutschland knapp über 10.000 Mitarbeiter, weltweit mehr als 100.000! Jetzt arbeite ich allerdings auch in einem relativ kleinen Team von ca. 25 Kollegen, nur Männer übrigens, was ich sehr bedaure, aber dazu ein anderes Mal, Bindung zum Umfeld fällt hier leichter. Zum Unternehmen ist es aber schwierig ein Verhältnis aufzubauen. Marx spricht von Entkopplung vom hergestellten Produkt und der Arbeitskraft des Arbeiters. Wenn jetzt noch der Überbau, also die Unternehmensstruktur selbst,  abstrakt bleibt, wird Identifikation schwierig. Auch hier brauche ich eine anders als früher agierende Führungskraft, sie ist verantwortlich dafür die Bindung in einer Netzwerkstruktur herzustellen.

Ich werde weiterhin darüber nachdenken, wo und wie ich diese Strukturen in Zukunft finde. Wer Ideen hat, ich bin dabei!