Herausforderung

Marcel Reich-Ranicki stand für einen Kulturbegriff, der sagt, Kultur ist Überforderung. Wenn man expansives Wissen ansammeln möchte, wenn man etwas anderes fühlen möchte, als das was man schon inne hat, muss man sich an Minderheitenkultur halten. Es ist in jedem von uns angelegt, jeder akklamiert für sich die eine, oder im besten Fall die wenigen Wahrheiten zur Wahrung der eigenen Konsistenz. Darüber hinauszuschauen ist die wahre Herausforderung. Es wird mir jeden Tag klarer.

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ARoS

Warum machen die Dänen soviel für die Kultur?! Und viel wichtiger, warum machen wir das nicht genauso?? Warum hat das Land mit der geringsten Bevölkerungsdichte in Europa soviel Geld für Dinge wie Museen, Landeskultur, Kinderförderung oder Förderung von ländlicher Struktur übrig?! Und warum nicht wir?? Gut, ich mache es mir in meiner „Junge-Mittelklasse-Eltern-Peer-Group“ bequem und betrachte hier 1. Welt Probleme, aber ich möchte, daß sich auch unsere Gesellschaft weiter entwickelt. Wir reden viel darüber, wir tun es aber nicht. Ich möchte hier nur ein Beispiel von Vielen nennen. Kürzlich habe ich ein Kunstmuseum besucht. Auf den ersten Blick nichts spektakuläres. Auf einem Gang durch die dänische Stadt Arhus fällt einem unweigerlich das ARoS auf. Ein riesiger begehbarer Ring aus Regenbogenfarben-Glasscheiben sitzt auf dem stylischen Gebäude und schreit einen an, doch sofort diesen Ausblick geniessen zu wollen.
Wir betreten also das Kunstmuseum und merken schnell, dies ist ein Ort, den man vielleicht in Berlin, London oder Paris erwarten würde, nicht aber in einer 200000 Einwohner Stadt. Das Museum hat 9 Etagen und jede birgt eine andere Welt, es gibt Epochen-, Thema- und Künstler-Schwerpunkte. Kann hier gar nicht auf alles eingehen, toll sind aber die Ron Mueck Figur „Boy“, die Gegenwartsinstallationen und die Multimedia Installation „Face to Face“, siehe hier:

Hier der „Boy“ von Ron Mueck:

Regenbogen Panorama:

Ich wünschte mir ähnliche Projekte für zum Beispiel Kiel. Warum nicht mal großes Tennis in kleineren Städten. In Deutschland wird vieles künstlich unten gehalten. Warum nicht mal Geld für Kultur, für Kunst „verschwenden“. Für Dinge, die das innerste einer Gesellschaft zusammenhalten. Für Dinge, die uns definieren, also zu dem machen was wir sind. Eine Gesellschaft braucht das.