Top 5 Musik 2016

Weitestgehend unkommentiert, wie immer. Wieder kein gutes Jahr für die alte Liebe Rock. Gebe wohl jetzt auf danach zu suchen. Aber gute Musik gab es trotzdem wie ich finde. Kunst ist am besten, wenn die Umstände schlecht sind. Wenn man sich den Weltenlauf so anschaut, dann kommt eine Menge gute Musik in 2017. Vorfreude.

5. Radiohead

Endlich wieder was Neues von Radiohead. Ich höre da einfach gerne zu. „Daydreaming“ ist ein schönes Beispiel. Das Malen mit Stimmungen, Sounds und Worten. Zum reinfallen.

4. Dota Kehr

vergiftet – Da ist ein Piepsen und ein Ticken und ein Deut in ihren Blicken, die mich rügen. Falsche Farben! Schau, sie lügen! Alles schmeckt so nach Betrug. Oh, lasst es sein, es ist genug.

3. Kate Tempest

Picture a vacuum
An endless and unmoving blackness
Peace, or the absence at least, of terror
I see and amongst all this space
That speck of light in the furthest corner
Gold as a pharoah’s coffin…….

Albumtrailer:

2. Maeckes

Marie-Byrd-Land – ich misch in dein Essen ein paar Raupen, solange bis Schmetterlinge in deinem Bauch sind


1. Bon Iver

715 – CR∑∑KS –

Toiling with your blood
I remember something
In B, unrationed kissing on a night second to last
Finding both your hands as second sun came past the glass
And oh, I know it felt right and I had you in my grasp

 

 

Und dann zum Schluß noch ein visueller Höhepunkt des Jahres. Eigentlich alles von Balbina, von der Musik könnt ihr halten was ihr wollt, aber die Videos sind immer besondere Ästhetik, mag das.

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Tilt!

„Glaubst du, dass die Leute bei Orsons Konzerten immer verstanden haben, wer da vor ihnen steht, in allen Dimensionen? Ich hatte persönlich nicht das Gefühl, dass eure Message bei allen Leuten angekommen ist.

Nee, wird’s auch glaub ich nie. Das ist irgendwie so ein Trugschluss. Für manche Leute ist Musik immer das, was sie projizieren. Und wenn man projiziert: „Die Orsons sind vier witzige Typen die ein bisschen Schwung in die Kiste bringen“, dann ist für eine Person das die Projektion. Dann stimmt das für die eine Person, und selbst wenn ich einen Lichtbildvortrag über Kindersoldaten halten würde, aber im Hintergrund leise der Schwung in die Kiste Beat kommt, dann würden die sagen: „Ah, das ist der Typ, den ich von Schwung in die Kiste kenn“. Es bedarf viel, so eine Projektion zu zerstören.“ – Quelle: testspiel.de

Ich brauchte auch etwas, bis ich die Orsons verstanden habe. Habe einem Freund auch mal gesagt, daß seien doch diese Party-Jungs-Rapper! Lag ziemlich daneben, aber hey, es stimmt wie eben auch nicht stimmt.

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„Ich entführe 2 Flugzeuge, flieg sie dir in den Bauch, vielleicht liebst du mich dann auch.“

Jetzt erschien „Tilt!“ Ein Album von Maeckes, sein drittes, wenn man „Null/Eins“ und „Zwei“ nicht mitzählt. Es ist ein grüblerisches, zweiflerisch und überlegt. Aus dem Album spricht viel Liebe zum Detail, hat mit Hip Hop wenig zu tun und doch wird gerappt, und gesungen, und.. Ach, alles irgendwie, Maeckes kümmert sich wenig darum, was man machen darf und was nicht. Jedes Stilmittel ist erlaubt, wenn es irgendwie ins lockere Gesamtkonzept passt. Den Anfang macht „Der Misserfolg gibt mir Unrecht“, ein schönes Wortspiel, eines von vielen. War übrigens auch der Opener auf dem Konzert in Hamburg und machte gleich klar, dieses Album will auch groß sein und keine Angst vor irgendwas haben.

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Danach kommt „Tilt!“ „Ich bin nicht Maeckes, ich war nie Maeckes, ich werd’s nie sein.“ Spielt mit Erwartungen, mit zugewiesenen Eigenschaften. Dann „Gettin‘ Jiggy with it“, frei auf Deutsch, komm klar damit, wir sind alles, gut und böse und das sollten wir akzeptieren. Es geht nicht anders. Alles wirkt sehr erwachsen. In den vorherigen Alben wirkte alles manchmal noch ein bißchen wie die Verwirrtheit der Jugend, jetzt ist es Abgeklärtheit mit all seinen Fragen. Ein schönes, beruhigendes Konzept, kann ich gut nachvollziehen.

„Wir bauen Atomkraftwerke am Strand, wovor haben wir Angst?!“

Das Album schließt mit „Loser“, einer Hymne an all unsere Fehler, an Eigenschaften die uns mitdefinieren, und bildet damit den runden Abschluß für diese Kiste an Gedankenschätzen. Dafür muß ich ihm einfach mal danken. Ein Album mit Gehalt, ist selten und darum so kostbar. Ihr müsst euch das jetzt anhören, es ist eine Bereicherung, ich schwöre. Bin sehr gespannt, wo es mit diesem Künstler hingeht in Zukunft, der hat so viel Potential. Ick freu mir.

„Ich misch dir Raupen in dein Essen, solange bis Schmetterlinge in deinem Bauch sind.“

Auch die Making of Doku „road to tilt“ ist sehr schön.

„Und ich wartete so lang, wie alle Kippenstummel zwischen den Bahngleisen zusammen.“