Gilles Deleuze

Philosophen sind gekommen und haben die Theorien ihrer Vorgänger genommen und diese verfeinert oder versucht das Gegenteil zu beweisen. Gilles Deleuze war jedoch mehr der Überzeugung, daß Philosophie etwas anderes ist, einen anderen Ansatz benötigt. Dekonstruktion und Fragmentierung sollten nicht mehr als Leitbild herhalten, philosophische Theoreme zu validieren oder im Gegenteil, ihnen zu widersprechen.

Deleuze hat sich andere Fragen gestellt. Welche Rolle hat Philosophie wirklich gespielt in der Geschichte der Menschheit? Was ist Philosophie? Gibt es andere, neue Wege die Dinge zu betrachten? Es war ihm immer wichtiger zu fragen wie man leben möchte, als hyper-nuanciert zu hinterfragen welche Textstelle auf Seite 173 eines bestimmten Buches ausschlaggebend sein soll, wo uns eine Theorie hinführen könnte.

Ihm ging es nicht mehr darum, die objektive Wahrheit zu finden, denn das wurde bereits als nicht möglich bewiesen, nein, und hier kommt das revolutionäre an seinem Ansatz, ihm ging es nicht mehr um den Prozeß des Entdeckens, er stellte den Weg dorthin in den Vordergrund. Der Prozeß des Kreierens rückte für ihn in den Mittelpunkt der Philosophie. Die alten Philosophen behaupteten Fragen ultimativ beantworten zu können. Deleuze begriff die Gegenwart als unbegreifliches Chaos und sah sich im bestreben dieser ein Framing zu verleihen. Zu behaupten, er hätte die einzige Antwort, die eine Deutungssphäre inne zu haben, war somit unmöglich. Welch wunderschöner Gedanke! Er erlaubt allen der eigenen Interpretation der Realität zu folgen, er erlaubt die Koexistenz. Denn deine Wahrheit muß nicht meine sein. Philosophie ist die Kunst, eigene Konzepte in einer chaotischen Welt zu erschaffen.

Was wollen wir also tun?! Selfies machen? Ich überlege nochmal.

Precht

Eigentlich mag ich Richard David Precht garnicht. Beim ersten Mal sehen war er mir gleich unsympathisch. Das ist so ein „Mensch-einordne-Ding“, das macht man automatisch, aus dem Bauch raus. Aber irgendwie war er auch interessant. Beruf: Philosoph. Krass! Gibt es sowas noch, kann man das noch sein, oder muß man da nicht so eine Mozart-Perücke aufsetzen und Teezirkel mit anderen Perückenträgern abhalten?! Eigentlich wissen wir es ja, Philosophie ist Grundlage für so viele wichtige Fragen, deren Antworten maßgeblich sind für die Lösung unserer Probleme. Aber wahr haben will man das als moderner Mensch aus dem Leben ja nicht, man tendiert dazu es als komplett nutzlos einzustufen.
Aber dann bin ich immer wieder über ihn gestolpert und konnte schlußendlich nicht daran vorbei, mich vor den vielen Wahrheiten aus seinem Munde zu verbeugen. Höhepunkt bisher sind die 3 Folgen „Precht“ im ZDF. 45 Minuten unterhalten sich 2 Menschen über 1 Thema. Gibt nicht mehr viel Sender die sich das trauen. Arte hatte bis vor kurzem so eine Sendung. Die ganzen anderen Talkshows kann man sich ohne Brechreiz ja nicht mehr anschauen. Oberflächlich und ohne Gehalt sind sie. Nicht so bei Precht. Vor allem die Sendung mit Christian Lindner von der FDP hat mich erstaunt. Ein Mann, dessen Meinung ich nicht teile, vor dem ich aber jetzt zumindestens Respekt habe.
In der ersten Sendung ging es um unser Schulsystem, mit 2 schulpflichtigen Kindern war der Inhalt des Gesprächs Wasser auf meine Mühlen. Ich habe das hier schon thematisiert im Blog. Schon mit dieser Folge wusste ich, das wird etwas Neues, oder etwas was lange nicht mehr zu sehen war. Wirkliche Auseinandersetzung mit einem Thema. Nicht abschließend, aber doch mehr als nur die Oberfläche. Davon möchte ich mehr sehen. Wer möchte, kann hier nochmal rein schauen.

Precht wächst in einem linken Haushalt auf. Seine Eltern akzeptieren das politische System der BRD nur widerwillig. Die DDR wird als das „bessere“ Deutschland angesehen. Im Aufwachsen lernt er natürlich auch das andere System kennen. Nichts desto trotz formt es seinen Blick für seine späteren Ansichten und Einsichten. Irgendwo dazwischen könnte man sich der Wahrheit nähern. In einem Interview-Format wird diese Ambivalenz sichtbar. Ein Besuch in dem von ihm in der Kindheit vergötterten Berliner Zoo im Ostteil der Stadt legt dies offen:

Sein Aufwachsen in ideologisch geprägter Umgebung und die Kehrseite, die staatliche Bildung über Abitur und Studium bilden das Gerüst für viele Standpunkte die mir nah sind und deren Werte ich teile. Ihn treiben die großen Fragen, und sie sind Grundlage für sein Weltbild. Ich respektiere das im höchsten Maße.
Ein Beispiel möchte ich geben. Precht spricht in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung über das Thema Bankenrettung. Schon die Überschrift lässt erahnen, was ich aus dem Gefühl schon lange wusste: „Wir müssen die Banken nicht retten!“
Großartig!!

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