Fünf Prozent

„Harald Welzer: Soziale Bewegungen gehen immer von Minderheiten aus. Die Gesellschaft ist bewusstseinsmäßig so aufgeteilt, dass 5–10% ein Avantgarde-Denken haben, weitere 5–10% sind extrem konservativ und die restlichen 80% interessieren sich einen Scheiß für irgendwas und machen alles mit. Also ist ein Lebensstilwandel, der von 5% auf die Wege gebracht wird, effektiv.“
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Man muss wissen, dass wir eine kapitalistische Wachstumswirtschaft haben, dass Leute konsumabhängig sind, dass sie sich in vielfältigen Suchtstrukturen befinden, in denen sie sich auch befinden sollen. Wir könnten etwas verrücktes machen. Wir lassen diese Strukturen einfach nicht mehr auf uns wirken und entwickeln unsere eigenen. Das wäre doch was.

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Abschlußrede 2018

Eigentlich wollte ich meine Rede vor den Abschlußklassen, dem Kollegium und den Eltern, der Gemeinschaftsschule an der ich Schulelternbeirat bin, dieses Jahr nicht veröffentlichen. Ich hatte den allgemeinen Teil vom letzten Jahr einfach übernommen, manchmal muss es ja auch schnell gehen beim schreiben. Aber nun kamen tatsächlich nochmal Anfragen. Hier also folgend die Abschlußrede, es geht um Gleichberechtigung. Und außerdem ist der Hauptteil natürlich neu und dann auch entsprechend recherchiert 😉

„Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern und Angehörige, liebe Lehrer,

heute feiern wir das Ende eines Lebensabschnitts. Wir feiern die Zeit, die für euch vor vielen Jahren als der „Ernst des Lebens“ begann.
Ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist René Hamdorf und bin seit gut 3 Jahren Teil des Vorstandes vom Schulelternbeirat und habe 2 Kinder hier an der Toni, die Schule, die einen großen Teil eures Lebens in den letzten Jahren ausgemacht hat.

Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, wart hier für eine beachtliche und prägende Zeit und habt alle etwas mitgenommen. Erfahrungen, die euch bestärken werden auf eurem weiteren Lebensweg. Da gab es sicher ein paar weniger erfreuliche und doch hoffentlich, und da bin ich mir sicher, viele schöne, vielfältige und große Erlebnisse, die euch genau dahin gebracht haben, wo ihr jetzt steht.

Ich möchte mich ausdrücklich auch im Namen des Schulelternbeirates bei Ihnen liebe Eltern bedanken, die in den Jahren ihrer Kinder an dieser Schule geholfen haben, den Alltag zu gestalten. Bei Veranstaltungen aller Art zu helfen. Aufbauen, organisieren, mitgestalten, für Verpflegung sorgen, die Schule zu einem Ort machen, an dem Gemeinschaft gelebt wird.
Bedanken möchte ich mich natürlich auch im Namen aller Eltern bei der Schulleitung, allen Lehrerinnen und Lehrern, bei allen Angestellten. Ihr habt eine weitere Generation zum nächsten Abschnitt geleitet. Und das mit viel Herz und Einsatz. Vielen Dank!

Der Ernst des Lebens ist für euch, liebe Schülerinnen und Schüler, damit jetzt vorbei und es beginnt ein neuer Abschnitt. Ab jetzt wird es leichter! Jetzt schaut ihr mal in die Gesichter derer ihr unterrichtet worden seid und ihr werdet sehen, nur Bestätigung!
Jetzt geht ihr vielleicht weiter zu einer anderen Schule, ihr tretet eine Ausbildung an, oder geht studieren.
Jetzt kommt die Zeit, in der ihr um eurer Willen streiten und neu denken müsst.
Auch die Jahre zuvor habe ich an dieser Stelle zum nachdenken, zum Fragen stellen und zum in Frage stellen des Status Quo angehalten. Damit möchte ich auch dieses Jahr nicht brechen. Denn ihr bekommt jetzt immer mehr die Möglichkeit euer Umfeld zu gestalten.

Angesprochen auf die Kunst der Auseinandersetzung fällt mir eine Anekdote über den Musiker Arnold Schönberg ein. Ein garstiger Mann, der eines Abends mit einem seiner Studenten stritt und im Verlauf des Gesprächs sagte ein junger Mann unvorsichtigerweise: “Das kann ich beweisen!” Daraufhin sagte Schönberg: “In der Kunst kann man garnichts beweisen.” Und nach einer kurzen Pause: “Und wenn, dann nicht Sie!” Dann machte er noch eine Pause und sagte: ”Und wenn Sie, dann nicht mir.”
Ich möchte, daß ihr analog zu dieser Anekdote der junge Mann seid, denn die Welt da draußen kann mitunter so ein Schönberg sein. Ich versuche euch davon zu überzeugen, daß ihr, egal wo ihr euren weiteren Weg fortsetzt, euch genau umschaut. Es gibt so viel zu tun.

Allen ist klar, daß wir vor großen Umbrüchen stehen, daß diese schon an die Tür klopfen und schon stattfinden. Gesellschaft verändert sich, wir nennen es jetzt Netzwerkgesellschaft und wir machen genau das, wir netzwerken. Der technische Fortschritt hat uns eine große Verdichtung der Kommunikation gebracht, es gelten neue Regeln im sich untereinander austauschen. Ihr macht das alle schon instinktiv, ihr nutzt das Handy wie selbstverständlich, die Technik formt Teile der Gesellschaft.

Ich möchte mich dieses Jahr jedoch inhaltlich dem weiblichen Teil der Schulabgänger unter euch widmen. Das hat einen ganz persönlichen Grund. Ich habe eine Tochter, die nach den Sommerferien in die 7. Klasse kommt. Als Vater möchte ich natürlich, daß sie jetzt und später die gleichen Chancen bekommt wie ihre männlichen Mitstreiter. Das liegt in der Natur der Sache, Eltern möchten doch immer das Beste für ihr Kind, warum sollte man bei dem Thema Gleichberechtigung eine Ausnahme machen. So habe ich schon vor einer Weile angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen. Schnell finde ich zuhauf Beispiele für ungerechte Verteilung bei der Behandlung der Geschlechter.
Ein konkretes? Nicht zu übersehen ist zum Beispiel der Gender Pay Gap, also der Unterschied im durchschnittlichen Verdienst der Geschlechter. Dazu gibt es Untersuchungen in der EU, in denen ein Unterschied von bis zu 21% je Branche angegeben wird.

Diese strukturellen Faktoren schlagen sich auch in anderen Zahlen nieder. In einer repräsentativen Studie des Bundesfamilienministeriums von 2016 hatten Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren etwa die gleichen Schulabschlüsse wie Männer – 82 Prozent davon hatten eine berufliche Qualifikation. Dennoch waren nur 39 Prozent der Frauen in Vollzeit beschäftigt, aber 88 Prozent der Männer. Über ein eigenes Nettoeinkommen von mehr als 2000 Euro verfügten nur zehn Prozent der Frauen, aber 42 Prozent der Männer.
In Umfragen klagen Frauen über ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit im Vergleich zu männlichen Kollegen und über herablassendes Verhalten. So gibt jede dritte Mathematikerin, Physikerin oder Ingenieurin an, dass sie darunter leide, dass Kollegen sie behandeln, als sei sie inkompetent.
Dabei ist häufig das Gegenteil der Fall:
Parlamente mit Frauenquote sind kompetenter: Eine der wenigen Studien zur Wirkung von Frauenquoten auf die parlamentarische Kompetenz zeigt, dass eine FrauenQuote zu einem kompetenteren Parlament führt. Das liegt daran, dass die weniger kompetenten Parlamentarier ihren Platz für kompetentere Frauen räumen müssen.
Frauenvorstände sorgen für stabilere Banken: Sitzen im Bankvorstand mehr Frauen, ist die Bank stabiler – der Kapitalpuffer ist größer, was wiederum andere relevante Stabilitätsfaktoren positiv beeinflusst.
Frauen fördern eine bessere Wirtschaft: Würden in den USA prozentual genauso viele Frauen arbeiten wie in Norwegen – also 76% statt 67% –, würde das ein jährliches Plus beim Bruttosozialprodukt von knapp 1,3 Billionen Euro bedeuten. Frauen stecken ihr Geld öfter in langfristige Anlagen für die eigene und die Bildung der Kinder. Mal ganz abgesehen davon, dass männliche Wesen sich durchschnittlich weniger umweltfreundlich verhalten als die weiblichen Vertreter – weil es unmännlich ist.
Mädchen kooperieren besser: Egal wo auf der Welt: Mädchen kooperieren besser als Jungs und erreichen eine höhere Punktzahl im sogenannten »kollaborativen Problemlösen«. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie sich stärker für die Meinung anderer interessieren und für den Erfolg anderer einsetzen.
Und trotz all dieser Beispiele sind noch immer nur 23% aller Parlamentarier weltweit Frauen (in Deutschland sind es 30,9%), noch immer sind Frauen in den Chefetagen, Serien, Talkshows und bei Tageszeitungen dieser Welt unterrepräsentiert, oft wird dort eher auf männliche Mittelmäßigkeit gesetzt.

Und jetzt kommt ihr ins Spiel, und zwar alle hier die sich jetzt aufmachen den nächsten Schritt zu gehen, in eine andere Schule, in die Ausbildung oder an die Uni. Nichts rechtfertigt diese Unterschiede, keine Tradition, kein “so war es immer”. Ich möchte, daß ihr und auch meine Tochter euren Beitrag zur Entwicklung dieser Gesellschaft leisten könnt. Darauf freue ich mich. Das möchte ich euch nochmal ans Herz legen auf dem Weg in eure Zukunft.
Abschließend möchte ich noch klarstellen, das Allerletzte was ihr Frauen braucht, ist natürlich ein Mann, der für euch spricht. Das könnt ihr sehr gut alleine. Aber wenn wir wirklich an Gleichstellung interessiert sind, dann unterstützen wir uns in all diesen Fragen gegenseitig und versuchen immer mehr Männer davon zu überzeugen, daß das der richtige Weg ist. Es geht darum, Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen. Zusammen schaffen wir mehr.

Ich möchte mich abschließend für eure Aufmerksamkeit bedanken und wenn ihr euch ein Sache merken sollt aus dieser Rede….
In der Kunst kann man gar nichts beweisen,
In der Realität schon!“

Jugend

Jugend

Kevin Kühnert und seine #nogroko–Initiative wird von den Älteren nicht ernst genommen. Wenn er auf dem SPD-Parteitag seine wirklich guten Argumente gegen eine weitere große Koalition vorträgt und dafür vehement eintritt, dann schreibt ihn eine ganze Horde von älteren Journalisten und Politikern klein. Schnell wird vergessen, daß er eine Organisation mit ca. 70000 Mitgliedern führt und schon sehr lang in der Politik aktiv ist. Warum ist das so?

Ich habe mir Gedanke dazu gemacht und bin mir sicher, daß wir beginnen den Wandel in der Arbeitswelt hin zur Industrialisierung 4.0 massiv zu spüren. Die Ziele im Laufe eines Arbeitslebens ändern sich gerade stark. Menschen, die vor 1980 geboren worden sind, hatten ihren Fokus auf Sicherheit in ihren Arbeitsverhältnissen. Danach Geborene wollten Arbeit, Familie und Freizeit miteinander in Einklang bringen. Man organisiert die Arbeit um sein Leben herum. Das war vorher anders. Die vorherigen Generationen haben zusehends Schwierigkeiten mit der Verschiebung des Schwerpunktes. Sie sehen darin geradezu einen Affront und ein in Frage stellen ihres Lebensentwurfes. Dieses aktuelle Generation nimmt die Entwicklung in der Industrialisierung 4.0 vorweg. Durch den Einsatz von Algorithmen und Automatisierung in fast allen industriellen Bereichen fallen viele Arbeitsstellen weg und der Fokus vieler Menschen muß sich zwangsweise verlagern. Durch viele neue hoch spezialisierte Jobs wird Selbständigkeit zunehmen. Damit ein geht eine völlig neue Art Arbeit zu organisieren. Die Erfolgssymbole der vorherigen Generationen werden schlichtweg ignoriert. Die jetzige Generation möchte mit ihrer Arbeit etwas bewegen, die Welt mehr gestalten und damit auch verändern. Damit haben die Älteren Schwierigkeiten, es wirkt aufmüpfig, ihnen wird vorgehalten die Realität zu ignorieren. Dabei müssen sie sich nur anpassen, den Weg in die Netzwerkgesellschaft finden. Die Zukunft ist da, nur nicht überall in gleichen Maßen.

Was mir fehlt in der vorherigen Generation ist der Mangel an Interesse für moderne Kommunikation. Es ist klar, daß es Digital Natives einfacher haben, mit Twitter oder Instagram umzugehen. Es ist klar, daß der kaum zu durchdringende Dschungel mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten dem digitalen Sturm der Nachrichten etwas ordnendes entgegensetzen zu können. Das muß man lernen, sich annähern, es als neue Gesellschaftstechnik erkennen. Das ist in der bisherigen Geschichte der Industrialisierung geschehen. Passiert das jetzt nicht, weil die Geschwindigkeit der Entwicklung sich erhöht hat? Ist es die Angst nicht mithalten zu können? Es gibt doch positives an der Entwicklung. Es werden neue Räume in der Freizeitgestaltung geschaffen, das ist doch erstmal nichts Schlechtes. Die Systeme müssen nur darauf angepasst werden. Nur eine klassische Erwerbsbiographie hat bisher Alterssicherheit garantiert. Die neue Generation unterhält dieses System nicht mehr und wir haben noch keine Lösung für diese Veränderung. Lasst uns eine finden!

Ein erster Schritt wäre doch dann, der neuen Generation, die die Netzwerkgesellschaft vermeintlich besser verstehen müsste, zuzuhören. Nur wer versteht kann helfen, etwas Neues zu entwickeln, die Dinge wieder anders zu denken. Ich habe da natürlich noch keine Lösung für, nur das Offenheit gegenüber der Entwicklung absolut notwendig ist. Wer nicht daran interessiert ist, die Generationen weiter auseinander zu dividieren, der darf sich den neuen Ansätzen nicht verschließen, muß einen Schritt auf das Gegenüber zugehen. Noch lässt die regierende Politik- und auch Gesellschaftsgeneration den notwendigen Respekt vermissen. Ich hoffe auf den Wandel. Im Moment ist das ausbremsen von Entwicklungen im Vordergrund. Wenn wir den Anschluß nicht verlieren wollen, muß sich dieses ändern.

Metasoziale Begründungen

Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Jean Ziegler hat einmal gesagt:“In der Demokratie gibt es keine Ohnmacht.“ Hier, in einer der europäischen Demokratien, haben wir grundsätzlich die Möglichkeit die Dinge zu ändern. Das ist die elementare Aussage seines Ausspruches. Er begründet dies unter anderem mit den Worten von Jean Jacques Rousseau. Dieser sagte, daß zwischen dem Starken und dem Schwachen die Freiheit unterdrückt und das Gesetz befreit. Ein Plädoyer dafür, die Marktwillkür normativ einzuschränken zu müssen.

Große Unternehmen sind naturgemäß dagegen per Gesetz eingeschränkt zu werden. Sie begründen dies stets damit, das dies schlicht unnötig ist, da der „Markt“ die Unternehmen von alleine reguliert. Dieses Argument höre ich seit langer Zeit. Deregulierung ist ein Standard-Terminus eines Wirtschaftsliberalen.  Bei der Recherche zu diesem Thema bin ich auf Alain Tourain gestoßen. Er hat 1973 als Erster in seinem Buch „Production de la société“ Kritik an metasozialen Konzeptionen zur Legitimierung von Praktiken und Verhaltensweisen großer internationaler Unternehmen geübt.

In der Geschichte der Gesellschaften hat es immer wieder Beispiele für den Rückgriff auf metasoziale Begründungen gegeben. Sie dienten dazu, unveränderliche, ahistorische Wahrheiten  zu rechtfertigen. Heute ist einer der mächtigsten metasozialen Begründungsweisen die „Naturalisierung“ ökonomischer Fakten. Das globalisierte Finanzkapital beruft sich auf sogenannte „Naturgesetze der Wirtschaft“ um die eigenen Profite abzusichern. Der Weltmarkt soll stets liberalisiert werden. Ziel ist, so Wall-Street-Bänker James Wolfensohn, eine „stateless global governance“, damit das Kapital dort hin kann, wo es den maximalen Profit erzielen kann.

Die „Marktgesetze“ sind als metasoziale Begründung jedoch gefährlich, da sich die Unternehmen zwar auf Rationalismus berufen, diese jedoch zu einem großen Anteil eben nicht „Gesetzen“ folgen und das System dahinter häufig ein wissenschaftlich gesprochen „chaotisches“ ist. Der Markt reagiert nicht selten irrational, das beste Beispiel ist die Finanzkrise 2008. Wie ein global vernetztes Bankensystem durch ausufernde Geschäfte in den Abgrund gerissen wird und dadurch die Welt in eine große Krise stürzt, zeigt, daß der „Markt“ jederzeit Fähig ist, nicht nach Ethik und Moral zu regulieren, sondern diese im Stande ist aufzuheben. Bis heute gibt es keine Finanztransaktionssteuer in Europa, ein Glanzstück des Irrationalen.

Metasoziale Begründungen lassen uns also vergessen, daß im jetzigen Zustand des Systems das Leiden Dritter verleugnet werden kann. Das spekulieren auf Lebensmitteltransaktionen in Afrika tötet Menschen. Die 7€-Hose beim Discounter zieht unmenschliche Verhältnisse bei der Produktion in Pakistan nach sich. Es gibt unzählige Beispiele.

Wenn jetzt also Bundestagswahl ist, dann möchte ich bedenken, daß Demokratie nicht ohnmächtig ist. Es gilt, so Ziegler, den „Aufstand des Gewissens“ zu forcieren und nicht auf die bisherigen Begründungen zu hören und eben doch sozial zu wählen. Was das heißt, muß jeder Einzelne entscheiden.

Industrialisierung 4.0

Allen ist klar, daß wir vor großen Umbrüchen stehen, daß diese schon an die Tür klopfen und schon statt finden. Gesellschaft verändert sich, ein Epoche geht zu Ende und wir müssen das Neue gestalten. Doch wenig deutet darauf hin, daß wir diesem Umbruch eine Vision entgegensetzen wollen. Statt dessen bricht sich Angst die Bahnen, direkt in das Herz der Menschen.
Auf dem Weg in jede neue Epoche hat sich dieses Gefühl breit gemacht. Dieses diffuse Angstgefühl dem Neuen nicht gewachsen zu sein. Zur Industrialisierung, nach dem Kaiserreich oder der Aufklärung. Die Folgen waren Zusammenbrüche, zum Beispiel zur Zeit der Weimarer Republik. Auch jetzt scheint es so, als steuerten wir auf solche Zusammenbrüche zu. Mit dem Unterschied, daß wir mehr wissen und die Möglichkeit hätten zu antizipieren. Die Oxford-Studie über die Zukunft der Arbeit sagt, daß in Europa in zirka 20 Jahren etwa die Hälfte der Bevölkerung keine Arbeit mehr hat. Gründe dafür sind unter Anderem die fortschreitende Industrialisierung 4.0, also die Übernahme immer mehr Arbeiten durch Automatisierung. Zum Beispiel in der Logistikbranche durch ausgereiftere Roboter oder etliche Arbeitsstellen im Finanzbereich, die durch Algorithmen ersetzt werden. Die Liste ist sehr lang. Es gibt Studien, die behaupten, daß etwa 20% der Bevölkerung in Zukunft ausreichen könnten, die Weltwirtschaft aufrecht zu erhalten. Wenn man also auch nur in die Nähe dieser Zahlen kommt, wo bleibt der Rest?

Was macht man mit diesen Menschen? Es hilft nichts, wir brauchen Utopien, Vorschläge für eine Gesellschaft der Zukunft. Eine Vision, die die Menschen auffängt und sie in ein neues Zeitalter führt. Die Alternative ist die Flucht in radikale Systeme. Haben wir alles schon gesehen, kann niemand ernsthaft wollen. Irgendjemand Antworten?

Vielleicht diese hier: Bedingungsloses Grundeinkommen, Gesellschaftsdienst, Bildung, Maschinensteuer, Kommunale Vernetzung, Schwarmintelligenz verstehen, Schulen mit Medienkompetenz und noch ein paar andere…

Ich versuche in nächster Zeit mal diese und damit zusammenhängende Themen aufzuarbeiten. Dies soll eine Einführung in das Thema sein. Grüße aus dem Elfenbeinturm.