Ein gutes Jahr

Ok letztes Jahr, du warst ja mehr so Endgegner, vom Weltgeschehen möchte ich gar nicht anfangen, das sei dahingestellt. Nein, das Leben steuerte mich direkt in die Endverwirrung, zur daueranstrengenden Anwesenheit der Gegenwart addierte sich ein Gefühlschaos aus dem Superior-Segment.

So beschrieben die letzten Monate eine Geschichte über Sand im Getriebe, das Ende einer Ewigkeit, vielleicht nicht für das Universum, denn das kennt diese Geschichte schon zur Genüge und ist sicherlich gelangweilt von derlei Nichtigkeiten. Nein, für mich. Für mich als Einschnitt, als Eintritt in eine Sinnkrise. Tage, die etwas teilen, in ein davor und danach.

Manchmal bin ich so müde, es übermannt mich. Dann bin ich voll von Ideen, es gibt so viel zu tun. Aber müde alles zu definieren. Sollen das Andere machen. I’m with the band, lasst mich durch.

Ein gutes Jahr

und ich dachte ich hör’ dich, ich schwör’ ich hab’s versucht

die ganze Zeit

hör’ mich sagen, es stand ein Raum in meinem Leben für dich bereit

dir nichts nachzutragen, nichts zu beklagen, doch 1 Jahr geht schnell vorbei, wenn man wartet und kein Licht fällt rein

 

und jeder weiß, daß auf dein Geheiß

mich jemand nach Hause bringen kann

mich jemand nach Hause bringen kann

und all die Wunden erzählen uns vom fallen

so bleibt die Erkenntnis, es hat uns viel gefallen

 

und so war’s immer noch ein gutes Jahr,

jetzt wird es mir klar, ein gutes Jahr

 

alles gesagt, alles getan, ich habe keine Fragen mehr

dieser Moment indem ich begreif’, lässt vermuten du bist genauso leer


ein gutes Jahr, jetzt wird’s mir klar

das war ein gutes Jahr

Advertisements

Holocene

Warum ich Bon Iver so liebe? Der Versuch einer Liebeserklärung anhand eines Beispieles. Vorsicht, es wird ein wenig nerdy.
Eines meiner Lieblingslieder von Justin Vernon ist „holocene“. Er ist ein Meister darin Stimmungen zu erzeugen. Stimmungen, die ein ganzes Lied tragen, den Inhalt des Textes unterstreichen und die Instrumente diesen Gefühlen unterzuordnen. Er malt damit, benutzt sie bewusst um Dynamiken zu erzeugen. Den Instrumenten wird eine andere Rolle zugewiesen als in 98% der modernen Musik. Er versteht es, Entwicklungen aufzugreifen und sie in seine Kleinoden einzuarbeiten. Sein erstes Album war ein Folkalbum, getragen allein von dem Ende einer Beziehung und deren „ausschwitzen“ in musikalischer Form. Schon mit dem zweiten Album öffnet er sich und bindet orchestrales ein, „22, a million“ dann dieses Jahr integriert Elektro. Stets aber mit seiner Vision, stets im Kontext und dem Song dienend.
„holocene“, und jetzt kommt Songwritingtheorie, ist aufgebaut wie ein Standardsong aussehen könnte. Intro – Verse/Chorus1 – Verse/Chorus2 – Verse/Chorus3. Und trotzdem werden im Detail Techniken verwandt, die anders sind als sonst. Das Intro wird bestimmt durch 2 Akkustik-Gitarren, die ein Zupfmuster entgegengesetzt vor und zurück spielen und dabei im Stereobild ebenfalls entgegengesetzt hin und her gepanned werden. Vernon erzeugt dabei etwas, was eigentlich desorientierend wirken sollte, dabei erzeugt es aber eine warme Wohlfühlstimmung.

„Some way, baby, it’s part of me, apart from me“

Vernon erreicht damit, daß wir nicht mehr die Instrumente wahrnehmen, sondern den Song als ein eben solches. „holocene“, also das Holozän, die Epoche, in der die Menschheit die für sie wichtigsten Errungenschaften entdeckt und erfindet, ist gleichzeitig eine Bar in Portland/Oregon in der er einen sehr schlechten Abend verbringt, wie er mal in einem Interview erzählt hat. Er lenkt uns mit dem Intro direkt in seine emotionale Lage damals.

„You fucked it friend, it’s on its head, it struck the street.“

Die Emotionen erzeugen durch die Musik gleich einem Resonator, sich ineinander bewegende Wellen. Er steigert diese im Verlauf mit dem hinzufügen von weiteren Instrumenten. Einem Piano, einem Glockenspiel, einer Snare, Handclaps und Trompete. Diese Instrumente werden weit hinten im Klangbild eingesetzt, wieder zur Erzeugung von Stimmung. Eine Trompete trägt in der Regel eine Melodie, hier wird sie für die Fläche eingesetzt. Ein bewusster Schritt in die Tiefe.
Den Höhepunkt erreicht der Song mit dem letzten Refrain. Er erreicht ihn durch die Instrumentierung, zum Beispiel das Schlagzeug mit seinen aus dem Hintergrund treibenden Snarewirbeln und dem Einsatz jetzt aller vorher eingeflochtenden Instrumente, als auch der Zusammenführung aller Textbausteine zu der einen Erinnerung, der Erkenntnis, dem persönlichen Scheitern.

„Third and lake, it burnt away, the hallway..“
„Now to know it in my memory
And at once I knew I was not magnificent“

Zu Scheitern hörbar machen, darum geht es in dem Song. Er verpackt das große Bild in ein kleines. So wie es schon andere Meister vor ihm gemacht haben. Umhüllt von einer Stimmung, die den Gedanken ein Rahmen bietet. Viele kleine Anspielungen auf kleine Beobachtungen, die dem Prisma Erinnerung eine Plattform bieten und sie zu etwas größerem formen. Vernon geht den einen Schritt weiter als viele der anderen Singer/Songwriter. Er bettet seine Songs in einen übergeordneten Kontext, arbeitet vielschichtiger und erreicht dadurch die Tiefe, die Kunst von Gebrauchsmusik unterscheidet.

Danke. Großes Gefühlskino.

„Memory commits you to the nuance; the fog. If you act on memory you commit yourself on the basis of echoes: unpredictable, faint, fading even as they were generated. No basis on which to inch out across your life, and yet all you have.“ — THE M JOHN HARRISON BLOG

alles ändern

Neues Jahr, neuer Song. „Four-to-the-floor“-Beat, wollte ich immer mal machen. Mit so wenig Schnick-Schnack wie eben geht.

alles ändern

Wovor hast du Angst?
Alles passiert, wie es passiert, wie es passiert.
Und jetzt denke nicht mehr daran.
Es liegt nicht in deiner Hand, deiner Hand, deiner Hand.
Du bist wieder gerannt.
Hast versucht zu lenken und nichts wiedererkannt.

Und für das Herz ist das Leben einfach.
Es schlägt solang es eben kann.
Doch was immer du jetzt sagst,
ich weiß, daß sich noch alles ändern kann.

Alles scheint hier so fremd.
Bist hier 1000 Mal gewesen.
Und jetzt willst du hier weg.
Denn alles riecht, alles riecht, alles riecht.
Du suchst neues Land.
Da vorne funkelt es so schön, du willst es sehen.

Vor, zurück, ich fühle kein Ziel.
Vor, zurück, ich will nicht viel.

Vorsätze 2017

Hahahaha! Ich mache das jetzt. Ich gebe mir gute Vorsätze für das kommende Jahr. Vorsätze und Herausforderungen die es zu erfüllen gilt.

– mehr ordnen, Spontanität will gut überlegt sein
– eine druckbare Zeile jeden Tag, also für neue Songs
– ein Album als App im Store und in den Streaming-Portalen
– Musikvideo für eigenen Song machen, wer macht mit?
– eine neue Jobkompetenz jede Woche
– ein neues Buch jeden Monat lesen
– Buch fertig schreiben, Hälfte ist fertig. Lektor finden, der einem erzählt, daß man aber mal so gar keine Ahnung hat. Also vielleicht eher Ziel für 2018
– Jeden Tag auf Blendle.com oder perspective-daily.de gehen und 1 guten Artikel finden…und Geld dafür zahlen
– gezielt gute Nachrichten raussuchen, aber trotzdem informiert bleiben
– roten Anzug kaufen und wie ein Idiot aussehen, weil ich so einen will!
– #Bitchbody2017 – Challenge wegen Fokus und so. Verspreche auch keinerlei Fotos von mir zu posten, falls es klappt
– Schreib es auf!
– Mach es, weil du es willst, weil die Welt in komische Richtungen gleitet und du dem etwas entgegensetzt. Nicht, weil es irgendjemand anderes hören, sehen oder gut finden soll. Nicht weil ich die Welt retten kann, nur mich und ein klitzekleines bißchen mein Umfeld

So, ein fucking Steilpass dies ist. Und vielleicht trifft er sein Ziel. Wenn nicht, gebe ich es zu. Glaube ich. Eventuell. Unter Umständen. Wenn die Hölle überfriert.
Die wichtigen Ziele verrate ich sowieso nicht.